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„ Es gilt ja dem wahren Wunderbaume, dessen edlesReis, dem erleuchteten Geist eines deutschen Mannes musprossen, im Schoos des deutschen Vaterlandes zuerst in ipdischen Boden gepflanzt ward, dessen Wurzeln seit vielenMenschenaltern die innersten Lebensverhältnisse der christli-chen Menschheit tausendfältig umranken, dessen Schößlingelängst unter allen Himmelsstrichen in kraftvoller Selbststan-digkeit gedeihen, dessen Zteste und Zweige über alle Gebietesich verbreiten, dessen Früchte nun seit Jahrhunderten Mil-lionen Menschen gelabt und erquickt und in den Tagen derGegenwart zur unentbehrlichen, täglichen Nahrung des Gei-sres gehören. Daß derselbe heute noch steht und. zu erzählenweiß von allen Geschlechtern der Menschen, die an ihmvorübergegangen, daß er den Ablauf der Jahrhunderte, dieStürme der Zeiten, die Erschütterungen großer Reiche über-wunden, daß an seiner unverwüstlichen Lebenskraft alle Ver-suche der List und Gewalt, ihn zu einer Treibhauspflanzezu machen und durch künstlich beschrankenden Umbau undUeberbau der Luft und Sonne zu berauben^ gescheitert sind,das zeuget dasür, daß es keine Anwendung ans ihn leidetdas Wort des Herrn: Alle Pflanzen, die mein himmlischerVater nicht gepflauzet, werden ausgerenket." Ferner: ,,Holzund Schneidekunst und deren Erzeugnisse gingen von Altersher imMorgen- und Abendlande unter den gebildeten Stän-den im Schwang, ohne daß die Weisen des AltersthumS et-was Weiteres vabei dachten und das offene Geheimniß er/riethen, das, wie es uns jetzt vorkommt, vor Iedermann'sAugen da lag, das Jeder mit Händen greifen konnte. Warumgab gleichwohl Gutcnberg's Siegelring ihm die erste Neran?lassung, durch Zerlegung des Schriftwortes in seine einfach-sten Elemente die alte weltberühmte Sage vom SiegelringeSalomo's, der ihn zum Herrn der Geister und durch derenBeistand zum Herrn der irdischen Schöpfung gemacht, inThat und Wahrheit zu verwandeln?"
Das Verhältniß der Kunst zu den Werken des Geistes