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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
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Politik dasnationale Gut billiger über die Grenze ge-bracht wird als fremdes Getreide nach Deutschland ein-geführt.

II. Die Wasserstrasse n*).

1. Allgemeines.

DerVerkehr der Wasserstrassen**), welcher nach dem Auf-kommen der Eisenbahnen gefährdet zu sein schien, hat sichneuerdings in grossartiger Weise entfaltet, aber doch nurdort, wo die Binnenschifffahrt in der Lage war, durch Aen-derung der mechanischen Zugkraft und grössere Transport-gefässe den fortschreitenden Anforderungen gerecht zu wer-den. Auf den Wasserstrassen des Ostens, deren Schiff-fahrtsverhältnisse eine solche Vervollkommnung nicht zu-liessen, ist die Entwickelung des Verkehrs dagegen zurück-geblieben, und von der allgemeinen Zunahme des Güter-austausches entfällt hier bei weitem mehr auf die Leistungender Eisenbahnen, als auf diejenigen der Wasserfrachten.

Die natürlichen Vorzüge der Wasserstrassen vor denEisenbahnen beruhen hauptsächlich auf der leichteren Be-wältigung eines grossen Massenverkehrs. Deshalb sind esnicht allein die ungünstigen Schifffahrtverhältnisse im Osten,die hier dem Aufschwünge der Binnenschifffahrt entgegen-standen, sondern das Zurückbleiben der östlichen Wasser-strassen liegt zum grossen Teil auch daran, dass das Be-dürfnis nach einer Verkehrsvermittlung von so bedeutendemUmfange, wie in den volkreichen Industriegebieten am Rhein und Elbe , in den vorwiegend landwirtschaftlichen Gebietendes deutschen Ostens nicht vorhanden ist.

Die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte setzt immereine relativ bedeutende Flächenausdehnung voraus, sie er-folgt also durchaus decentralisiert; deshalb kommen für denVersand in der grossen Mehrheit der Fälle zunächst nurdie Eisenbahnen in Frage, welche mit ihren kleinen Trans-portgefässen auf dem weitverzweigten Schienennetz überall

*) Ausser der am Ende zitierten Literatur habe ich specielldie Drucksachen des Preussischen Abgeordnetenhauses (Die was-serwirtschaftlichen Vorlagen des Jahres 1904) benutzt.

**) cfr. Giesberg.