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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
Entstehung
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in seiner Person den Käufer und den Banquier. Er ist es,der den Landwirt in seinem Betriebscredit unterstützt, dafürist der Landwirt verpflichtet, ihm seine Produkte anzuliefern.Um die Zeit, wo der Landwirt seine Hypothekenzinsen zubezahlen hat, im Mai oder Juni, wo er für Löhne usw. keinGeld hat, begibt er sich zu dem Kommissionär und schliesstmit ihm einen Vertrag ab, ungefähr folgenden Inhalts: DerKommissionär gibt dem Landwirt einen Vorschuss, der durcheinen Blanko Eigenwechsel sichergestellt ist. Dafürverpflichtet sich der Landwirt, an den Kommissionär einefestgesetzte Anzahl seiner Produkte anzuliefern. Die weiterenBedingungen sind nun verschieden, je nach dem der Land-wirt Sicherheit bieten kann. Meist werden die Summen inDebet mit l°/ 0 über und die Summen im Credit mit 1%unter dem offiziellen Bankdiskont berechnet.

Die angelieferte Ware wird nach dem Tagespreis be-rechnet unter Abzug einer festgesetzten Provision. Dies istmeistens der Fall bei den kleineren Kommissionären. Diegrösseren Kommissionäre setzten den Preis von Fall zuFall fest. Konveniert die Offerte dem Produzenten nicht,so kann er das Getreide anderswo anbieten und verkaufen.Er ist aber verpflichtet, für jede vertragsmassig nicht ge-lieferte Tonne beim Jahresschluss eine Provision 24 Mkpro Tonne zu zahlen.

Am Jahresschluss wird verrechnet und das Saldo barausbezahlt. Im Falle der Nichtzahlung von Seiten desProduzenten ist der Kommissionär berechtigt, den als Unter-lage gegebenen Wechsel für sich auszunützen.

Dass der Kommissionär ein verhältnismässig grossesKapital benötigt, erübrigt zu sagen. Jedoch hilft sich derKommissionär beim Knappwerden seiner Mittel damit, dasser die von den Produzenten als Unterlage gegebenen

nicht indentisch ist. Nach § 383 d. H. G. B. ist Komissionär, deres gewerbsmässig übernimmt, im eigenen Namen (unter eigenerFirma) für fremde Rechnung Waren oder Wertpapiere zukaufen oder zu verkaufen (vergleiche Artikel von Grünhut: Komis-sionsgeschäft, im Handwörterbuch der Staatswissenschaften). Diesist bei dem Kommissionär des Posener Getreidehandels nicht invollem Masse der Fall, wie es sich aus der folgenden Schilderungergiebt. Ich habe aber diese Bezeichnung in Anlehnung an GurtWiedenfels behalten, da sie in der Provinz ortsüblich ist.