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zweige abhängig ist und der Landarbeiter selbst z. B. über-wiegend noch in Naturalien bezahlt wird, so hat das Pri-vilegium der Produzenten für die Einwohner der ProvinzPosen keine so nachteiligen, wirtschaftlichen Wirkungen,wie im übrigen Deutschland , im Gegenteil, das Sonder-interesse der Provinz Posen als Ganzes wird stets die Getreide-zollpolitik befürworten, da es auf Kosten des übrigen Deutsch-land einen namhaften Gewinn zieht.
Steigerung der Bodenpreise.
Die unausbleibliche Folge der Getreidezölle (cfr. Bren-tano, Agrarpolitik) auf die Güterpreise ist selbstverständlichauch eingetreten. Ich verweise nur auf die Zusammenstellungder Kgl-Ansiedlungskommission (siehe Anmerkung auf S. 110),aus der ersichtlich ist, wie der Zolltarifentwurf von 1902 denKaufpreis für 1 Mk. Grundsteuerertrag von 80 Mk. im Jahre1900 auf 99,7, im Jahre 1902 bis aufwärts auf 138.00 Mk.im Jahre 1906 getrieben hat (trotz des drohenden Ent-eignungsgesetzes).
Für den Getreidehandel ist diese Entwickelung vonBedeutung, weil sie mitgeholfen hat, das Verhältnis zumProduzenten zu ändern, sodann weil mit einer Aenderungder Getreidezollpolitik und einem folgenden Fallen der Güter-preise der Getreidehandel, welcher im Konsumptivkredit derProduzenten so sehr stark engagiert ist, die Folgen wirdmittragen müssen.
Dies wären die Wirkungen der Getreidezölle für dieProvinz Posen im allgemeinen. Von specieller Bedeutungaber war die Aufhebung des Identitätsnachweises.
Ausser der geschilderten Verteuerung der Getreidepreiseum den vollen Zollbetrag verdankt der Getreidehandel derProvinz Posen dieser handelspolitischen Massnahme
I. den Aufschwung der heimischen Export-Mühlen-industrie,
II. a) die Ausnahmetarife,
b) die Bewegungsfreiheit.