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I. Der Aufschwung der heimischenExport-Mühlenindustrie.
Von dem Jahre 1882 bis zur Aufhebung des Identitäts-nachweises war die an der See gelegene Mühlenindustrie,die mit geringen Kosten ausländisches Getreide und zu ver-hältnissmässig billigen Preisen inländische Ware bekommenkonnte, privilegiert. Infolgedessen konnten die PosenerMühlen (mit Ausnahme der Bromberger Seehandlungsmühle),denen nur inländische Ware zu Gebote stand, an eine Aus-fuhr nicht denken und hatten Mühe genug, sich gegen diedrückende Konkurrenz der damaligen Exportmühlen zuwehren. Das Absatzgebiet der Posener Mühlen war Schlesien und Mitteldeutschland . Dies änderte sich mit der Aufhebungdes Identitätsnachweises. Infolge der versteckten Export-prämie, vermöge des Einfuhrscheinsystems für inländischesProdukt, fiel das Privileg der Ostseemühlen, und die PosenerMühlenindustrie trat mit ihnen in Konkurrenz.
Freilich verging eine geraume Zeit, ehe sich in Posen,Ostrowo und Lissa die grossen Kunstmühlen in dem er-forderlichen Masse ausbauen und die nötigen Beziehungenmit den überseeischen Abnehmern (vor allem in Skandi-navien ) anknüpfen konnten. Sodann war auch bis 1906 derbei dem Verkauf von Einfuhrscheinen zu zahlende Diskontziemlich hoch. So kam es, das man mit einem einfluss-reichen Mehlexport der Provinz Posen erst in den letztenJahren zu rechnen beginnt. Ein Beleg für diese Entwickelunggibt die Binnenwasserstatistik (Tabelle XII, Spalte 14, 15, 16).
a) Statistik der Mehlausfuhr.
Trotz aller Mängel, die dieser Statistik anhaften, lässtsie erkennen, dass die Warthegegend seit 1903 einen immersteigenden Mehrversand an Mehl, Mühlenfabrikaten usw.aufweist, der nach privaten Erkundigungen nur in expor-tiertem Mehl (in der Hauptsache Roggenmehl) besteht.
Die Netzegegend (Regbz. Bromberg) ging der Warthe-gegend in der Ausfuhr von Mehl usw. stets voran. Dieszeigt die Tabelle XVII, Spalte 14, 15, 16 für die Ausfuhr dervereinigten Netze und Warthe bei Ktistrin. Um die Ausfuhrder Netzegegend allein beurteilen zu können, muss man vonden Zahlen der Spalte 14, 15, 16 dieser Tabelle die Ausfuhrder Warthegegend (Tabelle XVI, Spalte 14, 15, 16) abziehen.