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deutenden Mengen nicht ausseracht lassen, welche PosenerGetreide- speciell Kleiehändler direkt aus Russich-Polen nachMitteldeutschland, transito über die Provinz Posen verschicken,ohne dass sie in der Eisenbahnstatistik für die Provinz Posen gebucht worden sind. Kurzum es hat sich in der ProvinzPosen speciell für die Russisch-Polnische Kleie ein immersteigender Handel entwickelt. Aber gerade diese steigendeEntwicklung hat den Kleiehandel in Konflikt geführt mitder Mühlenindustrie. Die Ursache dieses Konfliktes undseine bisherige Geschichte wirft auf die Getreidezollpolitikein so charakteristisches Licht, dass ich nicht umhin kann,auf diese Verhältnisse näher einzugehen.
Der Konflikt der Mühlenindustrieund der Kleiehändler Ursachen.
Die Mühlen in Ostrowo (unweit der Reichsgrenze, vonwo aus die in den letzten Jahren eröffnete, einzige Ver-bindung mit Russisch-Polen über Skalmierzyce -Kalisch führt)befinden sich in einer Notlage. Das Getreide, dass sie ge-brauchen, wird ihnen von den russischen Mühlen in Kalisch entzogen. Die Kalischer Mühlen prosperieren auf Kostenund zum Schaden der deutschen Grenzmühlen. Die russischen Mühlen ziehen den deutschen Roggen an sich und bekommenihn infolge des Einfuhrscheinsystems etwa 5 Mark pro 100 kgbilliger als die Posener Mühlen. Die russischen Mühlenjedoch haben kein Interesse daran, viel Mehl daraus zuziehen, sondern schicken vielmehr ihre sehr mehlhaltigeKleie zollfrei wieder nach Deutschland , wo sie bei hohenPreisen Absatz dafür finden. Das Einfuhrscheinsystetn unddie Zollfreiheit der Kleieeinfuhr haben es dahin gebracht,dass deutsches Kapital statt auf dem Reichsgebiet, jenseitsder Grenze auf russisch -polnischer Seite in steigendem MasseMühlen baut, die in der Hauptsache darauf berechnet sind>-deutsches Getreide nach Russisch-Polen zu importieren, zuverarbeiten, das Mehl daselbst abzusetzen, dagegen die Kleienach Deutschland zurückzusenden. Einen Anhalt , wievielbesser die russisch -polnischen Mühlen gegenüber dendeutschen Mühlen ständen, giebt die Berechnung des Herrn