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Diese Rechnung ist auf Grund in durchaus sorgfältigerWeise ermittelten Preise aufgestellt.
Sie erklärt, warum neue grosse Mühlen zur Vermahlungvon deutschen Roggen nicht in Ostrowo, Krotoschin usw.errichtet werden, sondern jenseits der Grenze, auf russischemGebiet.
Es ist nun aber auch einleuchtend, dass zunächst dieMühlen in Ostrowo sich in einer sehr kritischen Lage be-finden. Durch den starken Abzug des Roggens nach Russ-land ist der Preis in einem Halbkreise von 50—60 Klm. inOstrowo am höchsten. War der Roggen noch vor wenigenJahren fast regelmässig etwa um die Fracht billiger als inKreuzburg, so ist jetzt umgekehrt der Roggen fast um dieFracht billiger als in Ostrowo . Diese Verschiebung derPreise hat aber zur Folge, dass die Mühlen in Ostrowo inihrem gegebenen Absatzgebiet in Oberschlesien nicht mehrwettbewerbsfähig sind. Sie sind aber weiter geschädigt durchdie zollfreie Einfuhr der sogenannten Kalischer mehl-reichen Roggenschrotkleie.
Dies ist ein anormaler Zustand, wie es sich eben nurauf dem künstlichen System des Zoll- und Einfuhrschein-wesens herausgebildet hat.
Die schlimme Lage der Ostrowo’ er Mühlen wird auchvon allen Seiten anerkannt, ebenso die eines Teiles derübrigen Mühlen im Bezirk, wenn auch nicht in gleichemMasse. Deswegen beriet auch die Handelskammer zu Posenwiederholt über diese Vorgänge und suchte Mittel und Wegezu finden, die der Regierung als Abhilfe der bestehendenMisstände vorgeschlagen werden könnten.
Die Massnahmen.
Die Meinung darüber, welches die geeignetste Mass-regel zur Beseitigung der Notlage sei, hat sich unter anderen * 1 )bei den Mühleninteressenten zu dem Vorschläge verdichtet.
J ) Um die Lage der Grenzmühlen zu bessern, wurde vor-geschlagen (Protokoll der Posener Handelskammersitzung vom3. XI. 1910):
1. dass für die auf dem Landwege ausgeführten Getreide-mengen die Zollvergütung erheblich herabgesetzt werde»