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ab, auf die sie hohe Anzahlungssummen voraus leistenmüssen), wurde freilich am 28. Dezember wieder aufgehobenund die alte Prüfung auf Aschegehalt wieder eingesetzt,doch mit der Einschränkung, dass die endgültige Einführungdes neuen Siebverfahrens nur bis zum 1. II. 1911 aufge-"schoben wurde, und dass bis dahin jede nach dem Urteilder Zollbehörde zu mehlige Kleie mit Kohlenpulver aufKosten des Importeurs denaturiert wird. (Die Kosten stellensich auf ungefähr 20—30 Mk p. Waggon d. h. 2—3 Mkp. Tonne.)
Durch eine derartige Massnahme, die im Interesse derMüller die Zufuhr polnischer Kleie vereiteln will, werdendie Interessen des Kleiehandels in hohem Masse berührt, dader Kleiehandel seit längerer Zeit hauptsächlich darauf an-gewiesen ist, sich mit dem Vertriebe besserer Kleie, als esdie Posener Industrie liefert, zu beschäftigen. Kleie, wiesolche von den hiesigen Mühlen hergestellt wird, findet aufweitere Entfernungen schwer Absatz.’) Dagegen wird diemehlhaltige Kleie aus Russisch-Polen gesucht von demmittleren und kleineren Grundbesitz seines Protein- undFettgehalts wegen zu Fütterungszwecken. Der grosse Grund-besitzer kauft Protein und Fett zu Fütterungszwecken inGestalt von allen möglichen Kuchenarten (Dotter — Palm-kern — Mais usw. Kuchen) billiger und diesem ist an dermehlhaltigen Kleie nicht gelegen. Anders der mittlere Grund-besitzer. Er kann nicht die grossen Posten der verschiedenenFutterarten kaufen und mischen, für ihn ist es vorteilhafter,mehlhaltige Kleie zu kaufen. Deswegen zeigt es sich, dassdie mehlhaltigen Kleien nicht in der Provinz, wo der Gross-betrieb vorherrscht, bleiben, sondern nach Sachsen usw.gehen und hier der rationellen Viehzucht zum Siege ver-helfen.
Dem grossen, Getreide bauenden Agrarier dagegen istes vor allem daran gelegen, hohe Getreidepreise zu erhalten.Deswegen ist auch die Sympathie des Bundes der Land-wirte auf Seiten der Müller, da sie hoffen, dass diese nachAusschaltung der Konkurrenz der polnischen Kleie, für das
’) Siehe Artikel „Vossische Zeitung“ vom 6. XII. 1910. -Zollschwierigkeiten für den Kleie-Import.