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Getreide bessere Preise werden anlegen können. Ob diesauch in Wirklichkeit zutreffen wird, kann erst die Zukunftlehren! Klargestellt ist nur dies, dass diese Vorgänge eineFolge sind der Kombination des Einfuhrscheinsystems fürGetreide und Mehl und der Zollfreiheit für Kleie, dass dieauf dem Einfuhrscheinsystem bauenden Exportmühlen derProvinz Posen die abgesagte Feinde der Zollfreiheit fürKleie sein müssen. Nicht mit Unrecht bezeichnet dergenannte Herr Brodnitz, alle die von den Mühleninteressentengeforderten Massnahmen als „kleine Mittel“ und gab alsRadikalmittel für die Behebung der Notlage der Mühlen die
1. Abschaffung des Einfuhrscheinsystems und
2. Verbot der zollfreien Kleieeinfuhr.
Die Frage der Mühlenindustrie und des Kleiehandels,könnte jemand leicht einwenden, gehe den Getreidehandelgar nichts an. Demgegenüber muss ich darauf hinweisen,dass diese Einrede nicht stichhaltig ist. Denn erstens sinddie Mühlen die Abnehmer und Kunden des Getreidehandels,zweitens ist der Sitz der Mühlenindustrie von grosser Be-deutung für den Sitz des Getreidehandels (cfr. S. 108, 109),drittens üben die Mühlen auf den Getreidepreis einen sehrins Gewicht fallenden Einfluss und zuletzt ist der Kleie-handel ein bedeutender Zweig des Posener Getreidehandelsgeworden.
II. Die Einführung der Ausnahme-tarife und die Bewegungsfreiheitdes Getreidehandels.
Eine weitere Folge der Aufhebung des Identitätsnach-weises war die Einführung der Ausnahmetarife. Ich habesie im II. Abschnitt dieser Arbeit (Seite 26 ff.) aufgezählt.Die Tendenz der Ausnahmetarife lässt sich kurz dahin de-finieren, einheimisches Gut aus dem Zollinlande billiger andie Grenze zu schaffen als fremdes Gut von der Grenze insZollinland. Diese Politik wurde seinerzeit schon vom Fürsten Bismarck befürwortet. 1 )
*) „Ich habe in der Debatte (über den Zolltarif) die Er-wähnung eines Gebietes vermisst, ohne welches der Zoll keineSelbständigkeit, keine Sicherheit und keine Wirkung hat, das ist