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Es liegt auf der Hand, das speciell der sogenannteSeehafenausnahmetarif, der Ausnahmetarif nach den Ostsee-hafenstädten und der Ostdeutsche-Böhmische Getreideaus-nahmetarif die versteckte Ausfuhrprämie haben noch ver-stärken helfen.
Da nun nach dem vom Fürsten Bismarck ausge-sprochenen Grundsatz die Eisenbahntarifpolitik mit der Zoll-Politik Hand in Hand geht, so muss man die Folgen derAufhebung des Identitätsnachweises (nämlich die Bewegungs-freiheit des Handels) und die Folgen der Ausnahmetarifezusammen untersuchen. Wie ich bei dem Wassertransportder Mühlenfabrikate bemerkt habe, muss ich bei dieserUntersuchung auf die Angaben der -Binnenschiffahrt ver-zichten und ich kann diese Angaben nur zur Ergänzunghinzufügen. In der Hauptsache stützte ich mich also aufdie Eisenbahnstatistik.
Ich habe für die einzelnen Getreidegattungen (Weizen,Roggen, Hafer, Gerste) den Empfang und Versand derProvinz Posen mit den einzelnen Ländern vom Jahre1887- 1908 in den Tabellen XVIII, XIX, XX, XXI aufge-
die Frage der Eisenbahntarife. Sie schwebt allerdings auf einemanderen Gebiete, sollte aber womöglich gleichzeitig gelöst werden,denn es ist unmöglich, eine Zollpolitik unabhängig von der Eisen-bahnfrachtpolitik zu treiben. Solange die Tendenz unserer Eisen-bahnen darauf gerichtet ist, wohlfeiler in das Land hereinzuführen,als sie das, was Ausfuhr ist, herausführen, solange haben wir einenGegenzoll gegen unseren Zolltarif, eine Einfuhrprämie, die beispiels-weise im Getreide, wie ich mich in dem Briefe an Herrn vonThüngen geäussert habe, häufig das Doppelte, manchmal das Drei-und Vierfache des Zolles betragen kann. Solange wir diesen Krebs-schaden unserer Produktion haben, dass jedes deutsche, einheimi-sche, nationale Gut teuerer gefahren wird als das ausländische,solange kann bei Massengütern kein Grenztarif helfen; Zu meinerFreude hat in Preussen in der Eisenbahnpolitik eine Umkehr seitJahr und Tag schon stattgefunden, in den Staatsbahnen der ver-bündeten Staaten hoffe ich, dass diese bald eintreten wird, wennauch bisher der Taler, der aus den Eisenbahnrevenüen kommt,noch einen höheren Wert zu haben scheint wie derjenige, der ausanderen Finanzquellen herrührt. Vielleicht sind die Eisenbahn-minister in den Einzelstaaten mächtiger als die Finanzminister, ichweiss nicht woran das liegt.“ (Reichstagsverhandlung v. 8. V. 1879.)