Altägyptisches Wirtschaftsleben.
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ihre Vereinigung in der Residenz des Süden und Nordenbeherrschenden Königs.
Aber das sind nur Vermutungen, um das Werden einesso einzigartigen Gebildes wie der über ein ganzes Land sicherstreckenden planmäßig geordneten Naturalwirtschaft zuerklären. Nur eines ist sicher, daß die Durchführung dergeschilderten gleichviel wie entstandenen auf Naturalwirt-schaft beruhenden Zentralverwaltung nur möglich war:1. Auf Grund des ungemein entwickelten Verkehrs, wie ihnder Nil und das an ihn anschließende Kanalnetz möglichmachten, und 2. vermöge der Ausbildung der Kunst desSchreibens bei den alten Ägyptern. Ohne daß diese Vor-aussetzungen gegeben waren, wäre eine Zentralregierungin einem Lande auch nur von dem angegebenen Umfangedes alten Ägyptens bei Naturalwirtschaft undenkbar ge-wesen.
Allein auch hier ist die Zentralverwaltung bei Fort-dauer der Naturalwirtschaft nicht von Dauer gewesen. Siehat um die Mitte der 5. Dynastie, um 2530 v. Chr., ihrEnde gefunden, und aus dem zentralisierten Beamtenstaatward ein Feudalstaat. Wie immer führte die Naturalwirt-schaft zu massenhaften Vergabungen von Land an die Be-amten. Diese standen den Leibeigenen auf ihren Gütern alsHerren gegenüber. Um jeden Herrn eine zahlreiche Be-amtenschaft, welche über die Erträge Buch führte, die Ab-lieferungen kontrollierte, den Provianthäusern Vorstand, dieAbhängigen beaufsichtigte. An der Spitze der Verwaltungstand der Dorfschulze, der dafür haftete, daß von allenErträgen des Guts die richtige Menge abgeliefert wurde.Es muß viel Vergewaltigung seitens der Beamten vorge-kommen sein, da die vornehmen Herren, die keine verüben,sich dessen rühmen. Es trat in Ägypten dasselbe ein, waswir später im römischen Reiche als Folge des Verfalls derGeldwirtschaft und zu Beginn des germanischen Zeitaltersals Folge der Naturalwirtschaft wiederfinden werden: ausden hohen Beamten wurde ein Erbadel, der auf seinenGütern die königliche Gewalt usurpiert. Dabei bleibt dieOrganisation der Wirtschaft die gleiche wie früher. Die zu