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Altägyptisches Wirtschaftsleben.
den einzelnen Grundherrschaften gehörigen Bauern undHandwerker haben nach wie vor die gleichen Abgaben undDienste zu leisten; es werden nach wie vor die Lebensmittelals auch die Wertobjekte systematisch gesammelt; nur er-folgten die Lieferungen der Untertanen nicht mehr direktan den König, sondern an die Großen, welche für ihre Be-amtendienste, statt, wie früher, Naturalbezüge zu erhalten,mit Grundbesitz belehnt worden waren. Die schon zur Zeitdes alten Reichs als der Wirtschaftseinheit des Königsuntergeordnet bestehenden Wirtschaftseinheiten der Großensind zu selbständigen Wirtschaftseinheiten geworden.
Auch zur Zeit des ägyptischen Feudalstaates ist derTausch, wo er vorkam, nur erst Naturaltausch gewesen.Gold und Kupfer waren, wo sie umgesetzt wurden, nurWaren; sie dienten noch nicht als gesetzliches Zahlungs-mittel. Aber es wird berichtet, daß der Wert der Waren mitVorliebe in Gold und Kupfer zum Ausdruck gebrachtworden sei. Die beiden Metalle dienten also bereits alsWertmesser, was zeigt, daß sie im Umtausch bevorzugtwurden. Damit war der erste Ansatz zur Umwandlungder anfänglichen Naturalwirtschaft für die spätere Geld-wirtschaft gegeben. Das ging folgendermaßen vor sich.
Das Gold, in dem so die gegeneinander umgesetztenWaren geschätzt wurden, kam aus dem Auslande. Außer-dem wurden Elfenbein, Ebenholz, Sklaven und Wohlgerüchevom Ausland erworben. Diese Güter kamen, soweit sie nichterbeutet wurden, durch Handel mit dem Ausland in ägypti-schen Besitz. Wir lesen von staatlich, d. h. vom Königeorganisierten Expeditionen nach dem südlich gelegenenLande Punt, um die genannten, den Luxusbedürfnissendienenden Güter zu erlangen, sowie nach dem Libanon,um Holz von dort zu holen. Das deutet auf gewaltsameErwerbsarten der begehrten, aus dem Ausland stammendenGüter. Aber die Nachrichten deuten darauf, daß auchKaufleute aus den Erzeugungsländern diese nach Ägypten gebracht haben; aus der Zeit des mittleren Reichs hörenwir von einem Versuche, den Weihrauchhandel in dieHände Ägyptens zu bringen.