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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Altägyptisches Wirtschaftsleben.

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Die Herrschaft der 12. Dynastie wird als der Höhe-punkt des ägyptischen Feudalstaates geschildert. Wie über-all in der Geschichte hat auch in Ägypten die feudale Wirt-schafts- und Gesellschaftsorganisation zur Anarchie sich aufKosten des Volkes bekämpfender Großen geführt. Da habeKönig Amenemhaet I. dem Königtum das Übergewicht überdie feudale Anarchie verschafft und dem Lande für dieDauer von 200 Jahren inneren Frieden und festgeordneteZustände gesichert. Das war aber ebensowenig von Dauerwie im germanischen Mittelalter die Überwindung derfeudalen Anarchie durch Karl Martell , Pipin und Karl denGroßen. Unter minder kräftigen Herrschern trat wiederVerfall ein. Die Folge war, daß das Land dem Einfallasiatischer Stämme nicht zu widerstehen vermochte. Ägyp-ten gelangte unter die Herrschaft der Hyksos, Beduinen-horden, die aus dem Osten ins Land einbrachen.

Diese Hirtenkönige, die sich das Niltal mit Waffen-gewalt unterwarfen, haben bald in hohem Grade die Künstedes Friedens gepflegt und Handel und Wandel sind unterihrer Herrschaft gediehen. Namentlich entstanden unterihnen rege Beziehungen Ägyptens zu den syrischen Land-schaften und den griechischen Inseln, vor allem zu Kreta ,die nicht wieder unterbrochen wurden. Diese Gegendenwaren der Sitz von Völkern, deren Wirtschaftsleben, wie wiralsbald hören werden, auf einer der angestrebten Natural-wirtschaft diametral entgegengesetzten Grundlage organi-siert war. Der Handel mit ihnen führte, wie immer derauswärtige Handel, zur Auflösung der auf der Natural-wirtschaft aufgebauten feudalen Ordnung.

Im Austausch der ägyptischen gegen die aus Syrien kommenden Produkte traten die Metalle in die Rolle derZahlungsmittel, und dann fanden sie auch Eingang beimUmsatz der Waren im Innern. Hatten sie schon vorherals Wertmaßstab beim Umtausch gedient, so werden siejetzt zum üblichen, schließlich zum gesetzlichen Zahlungs-mittel. Das führt dazu, daß man in wachsendem Maßestatt alle Güter, die man braucht, selbst herzustellen, einenTeil der benötigten Sachgüter und Dienste kauft. Diese