Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 23
Klyteimnestra und des Löwentors zu Mykene zu bewegen,war ein Zusammenarbeiten von Hunderten von Arbeits-kräften nötig. Als die Blütezeit der mykenischen Kulturwird das 15. Jahrhundert v. Chr. bezeichnet; ihre Ausläuferläßt man reichen bis an die Entstehungszeit der homeri-schen Poesie.
Denken wir uns die Wirtschaften dieser griechischenGaukönige als Naturalwirtschaften, in denen, ähnlich wiezur Zeit des Alten Reichs der Ägypter, die gesamte Bervölkerung direkt oder indirekt das Brot des Königs aß.War ihre Grundlage auch der Ackerbau, so war der Ertragder Landwirtschaft doch nicht ausreichend, um die Bevölke-rung zu ernähren, wie sie zur Erbauung so großartigerKönigsburgen, wie derjenigen zu Tiryns und Mykene ,nötig war und die darin angehäuften Schätze zu sammeln.Zwar gab es auf dem Festlande einige fruchtbare Land-striche, wie Thessalien * * * 4 ), Böotien und einige Gegenden imPeloponnese; aber andere, wie Attika und die Inseln, warenunfruchtbar 2 ). Im ganzen war das Land mit seinen eng-begrenzten Ebenen und Gebirgstälern zu klein, um in einersich selbstgenügenden Volkswirtschaft solchen Wohlstandanzusammeln. Begreiflich, daß bei den Griechen, wie beiallen primitiven Völkern, auch nach Aufkommen des Land-baus der Krieg als Erwdrbstätigkeit fortdauere, teils umanderen das fruchtbare Land, das sie inne hatten, zunehmen 3 ), teils um gegenseitig sich auszurauben 4 ). Auchsehen schon die Kyprien die letzte Ursache des trojanischenKriegs in der damals herrschenden Übervölkerung 5 ). NochAristoteles 6 ) hat, vom Kriege als der einzigen, einer
1) Thessalien war die einzige Landschaft des europäischenGriechenland , die Getreide in größeren Mengen auszuführen ver-
mochte. Jul. Beloch , Die Bevölkerung der griechisch-römi-schen Welt. Leipzig 1886, S. 1987.
2) Thukydides I, 2. 3) Ebenda.
4) Thukydides I, 5.
5) Siehe Beloch, Bevölkerung, S. 491.
6) Siehe Aristoteles , Politik 1, 7 u. 8, wo er vomKriege als einer gerechten Erwerbstätigkeit spricht, soweit er