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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentvvicklung.

die Töpfer 1 ). Auch einen Stand von Schiffern und Kauf-leuten muß es in den Städten gegeben haben 2 ). Im ge-wöhnlichen Verkehr diente noch das Vieh als Wertmesser 3 ).

Während ein großer Teil des Volkes sich in Unfreiheitbefand, gab es ihm gegenüber einen Adel; er bildete denKern des Heeres; ihm gehörte ein großer Teil des Bodens.Vermutlich haben die Könige Krieger, die sich auszeich-neten, mit großem Grundbesitz und zahlreichen Hörigenausgestattet 4 ).

Das führt zum zweiten Stadium der griechischen Wirt-schaftsentwicklung, zur griechischen Feudalzeit. Wie inÄgypten auf die mächtigen Könige zur Zeit des AltenReichs der Feudalstaat des Mittleren Reichs gefolgt ist, soin Griechenland auf die Königsherrschaft der mykenischen Kulturperiode ein Mittelalter mit Adelsherrschaft. Die Ent-wicklung ist in den verschiedenen Landesteilen Griechen-lands verschieden gewesen. In den spezifisch dorischen Ge-bieten der griechischen Welt, in Sparta und Kreta , habensich bis in spätere Zeit ganz primitive Zustände erhalten 5 ).Täglich gemeinsame Mahlzeiten der Volksgemeinde, keinPrivateigentum, keine Heiligkeit der Ehe 6 ); daneben aberBestellung der Felder durch Leibeigene des Staats 7 ). Alsoeinerseits unter den Angehörigen der HerrenbevölkerungGleichheit, diese aber eine Aristokratie über der unter-worfenen Masse 8 ).

1) Ed. Meyer, G. d. A. 11, 167. 2) Ebenda 168.

3) Ebenda 157. 4) Ebenda 168.

5) Nach den meisten Geschichtsschreibern Griechenlands ist Ende des 12. Jahrhunderts, vielleicht beträchtlich früher, der

Einbruch der Dorier, die, als sie einbrachen, noch auf ganzniederer Kulturstufe gestanden haben, erfolgt; nach Be loch

(Griech. Gesch. I, 2, S. 76) ist diedorische Wanderung, vonder die Archäologen so viel zu sagen wissen, eine Erfindung derNeueren, von der zuerst Hesiod erzählt (Beloch a. a. O. S.81).

6) Ebenda 281.

7) Richter, Sklaverei im griech. Altertum S. 26.

8) Das Verhältnis der Spartiaten zu den Heloten betrugnach Herodot IX, 28 1:7; vgl. dazu Beloch, Bevölkerung d.griech.-röm. Welt, S. 147.