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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
hauptet; in den kontinentalen Staaten herrscht entwederAristokratie oder Demokratie; in den Handelsstädten Ägina ,Korinth und andere, sowie später in Rhodos regiert dieKaufmannsaristokratie in mehr oder weniger demokrati-schen Formen, ln Korinth befinden sich die unterenKlassen in solcher Abhängigkeit von den großen Handels-häusern und Fabrikbesitzern, daß nicht einmal eine Oppo-sition auf kommen kann, ln Ägina fanden wohl Erhebungenstatt, die aber mißglückten. In Kerkyra spielte die Land-bevölkerung eine größere Rolle; hier finden wir blutige Er-hebungen und häufigen Wechsel in der Gewalt, ln Argos,Syrakus, Tarent und vor allem in Athen fand die volleDemokratie ihre typische Entwicklung unter starker Be-lastung der Reichen zugunsten der Armen 1 ). In ver-schiedenen Städten haben Tyrannen den Versuch gemacht,durch Versöhnung der Gegensätze die Entwicklung aufzu-halten, so besonders Periander in Korinth , die Pisistratidenin Athen . Alle diese Versuche waren vergeblich. Wo dieBedingungen gegeben waren, hat die Handels- und Indu-striestadt vollständig gesiegt 2 ).
Es bleibt noch übrig, einen Blick auf die Formen zuwerfen, in denen das seit dem Eindringen der Geldwirt-schaft in den Händen der Reichen sich ansammelnde Geld-kapital Gewinn erstrebte. Es ist dies nötig, um zu zeigen,daß die mit der Entwicklung der Geldwirtschaft in Griechen-land zur Herrschaft gelangte Wirtschaftsordnung wirklicheine kapitalistische war. Dabei ist es nötig, auf einige An-sichten einzugehen, die ich für irrig halte; denn sie habenweitere Verbreitung gefunden.
Dabei kehre ich nicht nochmals zu der Lehre jener zurück,welche auch für die nachhomerische Zeit ein wirtschaftlichesSichselbstbegnügen der einzelnen Haushaltungen behauptethaben; die Schilderung der Entwicklung der griechischenVolkswirtschaft, wie sie im Vorstehenden gegeben wordenist, dürfte zu ihrer Widerlegung ausreichen. Übrigens wirft