Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 41
auf sie ein dazu genügendes Licht die einfache Tatsache,daß, während in den in der Odyssee geschilderten Wirt-schaften alles hergestellt wird, Plato den Staat entstehenläßt, „weil jeder Einzelne von uns nicht für sich allein sichschon genügt, sondern Vieler bedarf“ 1 ).
Wohl aber muß ich mich bei Francotte aufhalten,welcher dem griechischen Wirtschaftsleben den Charaktereiner Volks Wirtschaft bestreitet und behauptet, das Alter-tum sei über die Stadt Wirtschaft nicht hinausgelangt 2 ).Er folgt dabei der Konstruktion Karl Büchers, welcher diegesamte wirtschaftliche Entwicklung, wenigstens für diezentral- und westeuropäischen Völker, in drei Stufen teilt 3 ):
1. Die Stufe der geschlossenen Hauswirtschaft (reineEigenproduktion, tauschlose Wirtschaft), auf welcher dieGüter in derselben Wirtschaft verbraucht werden, in der sieentstanden sind;
2. Die Stufe der Stadtwirtschaft (Kundenproduktionoder Stufe des direkten Austauschs), auf welcher die Güteraus der produzierenden Wirtschaft unmittelbar in die kon-sumierende übergehen;
3. Die Stufe der Volkswirtschaft (Warenproduktion,Stufe des Güterumlaufs), auf welcher die Güter in derRegel eine Reihe von Wirtschaften passieren müssen, ehesie zum Verbrauch gelangen.
Allein diese Konstruktion trifft nicht einmal für diezentral- und . westeuropäischen Völker des germanischenMittelalters und der Neuzeit zu, geschweige denn für diedes Altertums. Wir haben die Volkswirtschaft der Phönikerkennen gelernt, die naturnotwendig auf der Warenproduktionaufgebaut war. Dasselbe haben wir für die athenischeVolkswirtschaft und für die der übrigen Handel treibendengriechischen Städte kennen gelernt. Es ist bei dieser ganzenKonstruktion nicht an die der Entstehung der Stadtwirt-schaft schon vorausgegangene Verflechtung der Hauswirt-
1) P lat os Staat II, Kap. 11.
2) Francotte a. a. O. I, 287—289.
3) Karl Bücher , Die Entstehung der Volkswirtschaft,3. A. Tübingen 1901, S. 10S.