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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

schaff in den Außenhandel gedacht. Diese steigert sichnoch bei der Stadtwirtschaft, bevor man zur Volkswirtschaftgelangt, d. h. zu einer Wirtschaftsorganisation, bei der alleeiner und derselben Staatsgewalt unterworfenen Einzelwirt-schaften durch Arbeitsteilung und Tausch und gewisse kon-krete Grundbedingungen, welche diese Einzelwirtschaftengemeinsam beeinflussen, worunter die Einheit der Sitte eineder wichtigsten ist, zu einem Ganzen verbunden sind. Aberauch innerhalb der Gebiete, welche die griechischen Stadt-staaten sich unterworfen haben, hatten die Güter, ehe siezum Verbrauch gelangten, in der Regel eine Reihe vonWirtschaften zu passieren. So unterscheidet Plato 1 ) aus-drücklich den Betrieb des Handwerkers, der die von ihmgefertigten Waren selbst feilbietet, von dem Umsatz der vonAnderen hergestellten Waren, und bei diesem das Krämer-geschäft, welches die Waren in der Stadt umsetzt, von demGeschäfte des Kaufmanns, welcher durch Kauf und Verkaufdie Waren von einer Stadt zur anderen vertauscht« Unddaß die durch den Seehandel gegeneinander ausgetauschtenProdukte der verschiedenen griechischen Städte und Nieder-lassungen vom Kaukasus und der Krim an bis hin nachUnteritalien und Sizilien um von den durch ihn herbei-geführten Produkten der Barbaren ganz abzusehenkeineswegs aus der Hand des Erzeugers direkt in die desVerbrauchers übergegangen sind, braucht nach dem über

1) Plato , Sophistes, 10. Kapitel:Der Handel hat seine2 Teile: 1. den Selbstverkauf eigener Produkte, 2. den Umsatzfremder Produkte. Dieser letztere ist zur einen Hälfte ortsan-sässiger Handel und wird Kleinhandel genannt; dagegen der inEinkauf und Verkauf nach außen gewendete Handel Großhandel. Vgl. auch Plato, Politikos, 29. Kap., wo die Rede ist vonden-jenigen Freien, die sich freiwillig in den Dienst von Berufsleutenstellen, indem sie die Erzeugnisse des Landbaus und der übrigenKünste im gegenseitigen Austausch aus den Händen des einenin die des anderen gelangen lassen und so den Ausgleich be-wirken, teils auf Märkten, teils im Verkehr von Stadt zu Stadt,zu Wasser und zu Land, Geld gegen Waren eintauschend undWaren gegen Waren, Geldwechsler und Großhändler und Schiffs-herren und Krämer. Ferner Staat II, 11, 12.