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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 45

Depositen annahmen, kurz Bankgeschäfte betrieben. Vonihren Tischen (TpdrceCa) der griechische Name für Bank 1 ).

Das griechische Bankwesen hat von den Heiligtümernseinen Ausgang genommen. Hier wurden teils aus demErtrag des Tempelgutes, teils aus den Stiftungen bedeutendeKapitalien angesammelt. Da die Heiligkeit des Orts be-sondere Sicherheit zu bieten schien, haben auch Staatenund Private in ihnen ihre Gelder hinterlegt. Die Tempelver-waltung hat die hinterlegten Gelder auf Zinsen ausge-liehen, und diese Geschäfte haben allmählich einen für jeneZeit bedeutenden Umfang erlangt 2 ). Das steigende Be-dürfnis des Verkehrs hat dann auch Privatleute veranlaßt,sich mit Bankgeschäften gleicher Art zu befassen, undnaturgemäß waren es in erster Linie die genannten Geld-wechsler, welche solche Geschäfte betrieben. Oft haben sichmehrere Kapitalbesitzer zur Führung einer solchen Bankfür gemeinsame Rechnung verbunden, oder der Bankierarbeitete mit stillen Gesellschaftern, welche Anteil am Ge-winn erhielten.

Auch finden wir schon Banken, die sich mit indu-striellen Unternehmungen befaßten; so der Bankier Pasionin Athen , das seit dem 5. Jahrhundert der Mittelpunkt desgriechischen Geldmarktes geworden war. Ursprünglich hatteer als Sklave in dem Bankgeschäft des Archestratos undAntisthenes gedient, war dann von seinem Herrn freige-lassen worden und hatte die Bank schließlich für eigeneRechnung geführt. Schon um 394 war sein Haus einesder ersten in Griechenland ; als er sich 371 von den Ge-schäften zurückzog, war es zum Welthaus geworden, dasmit einem Kapital von 30 Talenten = 300 000 M., fastausschließlich Depositengeldern, arbeitete, und das an allengriechischen Handelsplätzen unbegrenzten Kredit genoß.Daneben betrieb Pasion eine große Schildfabrik. Aus dem

1) Über die athenischen Banken vgl. G. Perrot, Me-langes darcheologie, depigraphie et dhistoire. Paris 1875,pp. 337444.

2) Siehe Be loch, Griech. Gesch. II, 349, 350.