Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
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geht, die nächst dem Handel früheste kapitalistische Unter-nehmung, den Wucher, in häufig erschreckender Aus-bildung 1 ).
Ebenso irrig wie Francottes Behauptungen über dengriechischen Handel und seine daraus gezogene Schluß-folgerung, daß die Wirtschaft des Altertums sich niemalsüber die Stadtwirtschaft hinaus zur Volkswirtschaft ent-wickelt habe, ist es, wenn er sagt, die schon ge-nannten, mit Hilfe von Sklaven betriebenen grie-chischen Gewerbe seien nicht fabrikmäßig, son-dern handwerkmäßig betrieben worden 2 ). Aller-dings wenn man an unsere heutigen Fabriken denkt, indenen die Fortschritte der naturwissenschaftlichen Erkennt-nis systematisch in den Dienst des Wirtschaftsbetriebes ge-stellt werden, so hat es solche damals noch nicht gegeben;wohl aber gab es damals das, was wir in der heutigenvolkswirtschaftlichen Terminologie als Manufakturen be-zeichnen würden, d. h. Betriebe, in denen ein Unternehmereine größere Anzahl von Arbeitskräften in einem Raumebeschäftigt, um unter Anwendung von Arbeitsteilung unterden Beschäftigten das gewünschte Produkt herzustellen.Alles was Francotte zur Widerlegung der Behauptung vonBüchsenschütz 3 ), die bei weitem größte Zahl der Sklavensei wenigstens in gewerbefleißigen Städten, in solchenManufakturen beschäftigt gewesen, vorbringt 4 ), beruht teilsauf irrigen nationalökonomischen Vorstellungen, teils stehtes mit den historischen Zeugnissen in Widerspruch. Soist es ein nationalökonomischer Irrtum, wenn Francotteschreibt 5 ), das Handwerk produziere immer nur ein Pro-dukt, und zwar stets das gleiche, die Fabrik dagegen eineMehrzahl von Produkten, die von einer Vielheit von Teil-arbeitern hergestellt würden, und wenn er weiter sagt, die
1) Siehe Hüllmann a. a. O. S. 185 ff. Vgl. auch Sal-violi, Le capitalisme dans le monde antique. Paris 1906, p. 43.
2) Francotte a. a.O. p. 290.
3) Büchsenschütz, Besitz und Erwerb S. 193—195.
4) Francotte a. a. O. p. 290 ff., 335.
5) Francotte a. a. O. 293.