Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 49
wissen ferner von der lebhaften Konkurrenz gerade derTonwarenindustrie der verschiedenen Städte auf den ver-schiedenen Märkten, aus der schließlich die athenische, alleübertreffend, siegreich hervorging 1 ). Nach Xenophon hatdie Mehrzahl der Megarer von der Handwirkerei gelebt,die mit eingeführten Sklaven betrieben wurde. Natürlichhaben sie, wie Eduard Meyer mit Recht sagt 2 ), dieseHemden nicht in Megara selbst, dessen Bevölkerung (um432 v. Chr.) von 40 000 Seelen zum überwiegenden Teileaus Sklaven bestand 3 ), abgesetzt, sondern sie haben sie aus-geführt; Megara ist dadurch zum Industriestaat geworden.Und wie verhält sich die Behauptung Francottes 4 ), daß inden griechischen Gewerbebetrieben nur wenigoder kein Kapital angelegt worden ist, zu dem schonerwähnten Zeugnis des Aristoteles, daß die meisten Ge-werbetreibenden reich wurden? Haben sie das etwa alsHandwerker, die ohne oder mit nur geringem Kapital ar-beiteten, fertig gebracht? Im übrigen gesteht Francotteselbst zu 5 ), daß uns über vier große Fabriken inAthen ausdrücklich berichtet wird: über die Fabrik desLysias 6 ), zwei Fabriken des Vaters des Demosthenes undeine Fabrik des schon genannten Pasion, worin eine großeZahl von Sklaven und ein beträchtliches Kapital Verwen-dung gefunden. Hätten wir eine Gewerbestatistik des altenGriechenlands, so wüßten wir nach dem Dargelegten augen-scheinlich von weit mehr derartigen Gewerbebetrieben;daraus, daß die Griechen statistische Aufnahmen nicht ge-macht haben, zu schließen 7 ), daß es mehr wie diese vierManufakturbetriebe nicht gegeben habe, ist gewiß nicht
1) Vgl. Eduard Meyer , Kleine Schriften, S. 10Ö.
2) Ebenda S. 117.
3) Beloch, Bevölkerung, S. 506.
4) Francotte p. 297.
5) Ebenda p. 307, 308.
6) Siehe die Rede des Lysias gegen Eratosthenes § 19.Damals beschäftigten er und sein Bruder Polemarchos 120 Sklavenin der Schildfabrik.
7) Vgl. Francotte a. a. O. p. 308.
L. Brentano, Das Wirtschaftsleben der antiken Welt.
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