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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

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zelne Arkader gekommen und hatten ihm ihre Dienste ange-boten, um ihren Lebensunterhalt zu finden. Der Erfolgeinzelner Söldner, reizte ihre Landsleute zur Nachahmung.Thukydides 1 ) charakterisiert die arkadischen Söldner alssolche, die gewöhnt wären, gegen jeden zu kämpfen, denman ihnen als Feind zeigte, und die um des Gewinnswegen gegen ihre eigenen im feindlichen Lager befindlichenLandsleute kämpften. Ein anderer Schriftsteller führt beiden gewissen Ländern eigentümlichen Erzeugnissen Arka-dien mit seinen Söldnern auf 2 ) usw. Am Ende des pelo-ponnesischen Krieges war das Söldnerwesen bereits ineinem hohen Grade entwickelt 3 ); denn in der zweitenHälfte dieses Krieges waren weniger die eigenen Kräfte derkämpfenden Staaten die Grundlage der Kriegführung alsdie Geldmittel, die sie zu einem beträchtlichen Teil aus demAusland, namentlich aus Persien bezogen. Je reicher dieseQuellen flössen, um so größeren Gewinn versprach dieTeilnahme an dem Kampf dem Einzelnen, zumal da, woder eine Gegner den andern überbot. Auch fehlte es nichtan Leuten, die solcher Nachfrage gern entsprachen, dennder Krieg hatte viele Leute brotlos gemacht. Je schlimmersich in Griechenland die politischen Verhältnisse gestalteten,um so günstiger wurde der Boden für das auf blühendeSöldnerwesen. Einen Wendepunkt bildet der korinthischeKrieg, in welchem zuerst Iphikrates den Söldnerschareneine Organisation gab und eine Taktik schuf, welche sieden Bürgerheeren überlegen machen mußte. Nunmehrwurde es ein Geschäft, derartige Truppen auszubilden undsie an den zu vermieten, der ihrer bedurfte. Andere Con-dottieri waren Timotheos, Chabrias , Diophantos, Phokionaus Athen und die Nicht-Athener Charidemos aus Orcosund die Brüder Mentor und Memnon aus Rhodos ; und nicht

1) Thukydides VII, 57.

2) Büchsenschütz S. 351.

3) Vgl. für das Folgende Büchsenschütz S. 352354.Siehe auch Max Jähns , Heeresverfassungen und Völkerleben.Berlin 1885, S. 188 ff.; Beloch, Griech. Gesch. II. Straßburg1897, S. 470 ff.