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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

haben ärmere Freie sowohl auf Kriegsschiffen wie aufKauffahrteischiffen gegen Lohn gedient. Bürger wurden inder Kriegsflotte nur ausnahmsweise verwendet, wenn eineandere Bemannung nicht zu beschaffen war 1 2 3 4 ). Je mehrsich die Taktik zur See vervollkommnete, um so mehrwurden Leute nötig, die etwas von der Sache verstanden.Damit wurde auch die älteste Erwerbstätigkeitdes freien Griechen, der Krieg auf kapitalisti-scher Grundlage organisiert und der Matrosen-dienst wurde ein Gewerbe für eine große Anzahl vonLeuten, welche ihn im Dienste jedes Staates auszuüben bereitwaren, der sie entsprechend besolden wollte. Schon im pe-loponnesischen Kriege zeigt sich die Erscheinung, daß diekriegführenden Staaten dem Gegner die Matrosen durchden höheren Lohnsatz, den sie boten, abwendig zu machensuchten 2 ).

Ebenso finden wir im Landkrieg schon frühzeitigSöldner, welche im Dienste Fremder für Geld in den Dienstziehen; so schon im 8. Jahrhundert v.Chr.,im ersten messeni-schen Krieg, Kreter im Sold der Spartaner 3 ). Bei denGriechen des Festlands ist 'es allerdings erst in spätererZeit Sitte geworden, als Söldner zu dienen. Zuerst findenwir Truppen, welche von der regierenden Macht ihresHeimatlandes gegen Geld an andere vermietet werden, soArgiver im Dienst des Peisistratos 4 ), und ähnlich findenwir während des peloponnesischen Krieges gemieteteTruppen. Allein schon während dieses Krieges bildete sichder Anfang eines gewohnheitsmäßigen Söldnerwesens, vorallem durch die Arkader 5 ). Schon zu Xerxes waren ein-

1) Büchsenschütz S. 348.

2) So läßt Thukydides 1, 143 den Perikies zu denAthenern sagen:Wenn sie die Schätze von Olympia und Delphiangreifen und versuchen sollten, durch höhere Löhnung unsereMietvölker uns abwendig zu machen usw.

3) Pausanias , Periegesis IV, 8, 3:gegen die unbewaff-neten Bogenschützen der Messenier stellten sie um Lohn dienendeKreter.

4) H erodot I, 61.

5) Büchsenschütz S. 350.