Die griechische Wirtschaftsentvvicklung. 51
sind wie Hüllmann meint 1 ), dieselben gewesen, von denenberichtet wird, er habe sie in eigenen Bergwerken ver-wendet, so daß dem Thrakier Gruben und Knappschaft zu-sammen verpachtet gewesen). Auch gab es Sklaven, welcheihr Herr zu besonderen Dienstleistungen, z. B. zur Feld-arbeit, häuslichen Arbeiten, zur Begleitung beim Ausgehenvermietete.
Eine dritte Art von Sklaven, die zu Erwerbszweckengehalten wurden, waren solche, welche ihrem Herrn einebestimmte Abgabe zahlten, wogegen dieser es ihnen über-ließ, sich auf beliebige Weise zu beschäftigen und füreigene Rechnung zu erwerben; sie hatten für ihren Unter-halt, vielleicht auch für ihre Wohnung zu sorgen. Auchscheint es nicht ungebräuchlich gewesen zu sein, daß einHerr einzelnen Sklaven Land zur Bebauung in Pacht gab.
Endlich legte man sein Kapital in Sklaven an, welchefür ihren Herrn Geld erwarben, indem sie Anderen Diensteleisteten, sowohl unanstößige, als Zither- und Flöten-spieler, als auch indem ihre Herren sie nötigten, sich inBordellen zu prostituieren.
Alle diese Arten der Benutzung von Sklaven 2 ) ent-sprechen der von Sombart gegebenen Definition der kapi-talistischen Unternehmung; ein Sachvermögen wird im An-kauf von Sklaven angelegt und nutzbar gemacht, indem manderen Leistungen indirekt, indem man mittels derselbenWaren herstellt, oder direkt zum Gelderwerb verwertet.Daß die kapitalistische Unternehmung bei den Griechenaber auch den Anforderungen derjenigen entsprochen hat,welche mit Karl Marx die Beschäftigung von freien Ar-beitern gegen Lohn dazu für erforderlich halten, zeigt, daß,wie schon bemerkt, auch arme Freie ihr Leben zu fristensuchten, indem sie ihre Arbeitskraft an gewerbliche Unter-nehmer und Landwirte vermieteten. Auch als Matrosen
1) Hü 11 m an n, Geschichte des griechischen Handels, S. 60.
2) Vgl. über die Beschäftigung der griechischen Sklaven zuErwerbszwecken außer dem schon erwähnten Werke vonBüchsenschütz S. 193ff. Dr. W. Richter, Die Sklavereiim griechischen Altertum, S. 68—88.
4