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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 55

das Rechnen ergaben. Die Griechen bedienten sich 1 ),ebenso wie die Semiten, der ersten neun Buchstaben desAlphabets für die Einer, der zweiten neun Buchstaben fürdie Zehner, der dritten für die Hunderte, unter Beibe-haltung von drei in der Schrift nicht mehr verwandtenBuchstaben. Die Tausende wurden wie die Einer bezeichnetund den Buchstaben Striche angehängt, die Zehntausendewurden als Myriaden gezählt und durch einen Zusatz be-zeichnet usw. Vervielfachung und Verminderung des Wertsfand statt durch darüber und darunter gesetzte Zahlen.Als Beispiel mögen die Zahlen von 1000 an dienen. DieZeichen für die Einer bezeichnen nämlich Tausende, sobald

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ein Strich darunter steht, z. B. E = 5000; M bezeichnet eine

ß 1

Myrade oder 10 000; M 20 000, und so gibt immer dieüber M stehende Zahl die Zahl der Myriaden an. DieseSchreibweise war für das Rechnen ohne Zweifel sehr un-bequem. Man rechnete im Leben eben nicht auf demPapier, sondern im Kopf, was durch die Zählung nicht nachdem Dezimal-, sondern nach dem Duodezimalsystem er-leichtert wurde. Aber ebenso wie wir heute noch Millionärefinden, die nicht schreiben können, so hat das Fehlenunserer sogenannten arabischen Ziffern der Entwicklungdes Kapitalismus in der Alten Welt keinen Eintrag getan.Das zeigt die Geschichte.

ln der vorstehenden Schilderung sind bereits Zuständeerwähnt worden, wie sie nach dem peloponnesischen Krieghervorgetreten sind. Er hat Athen um seine führendeStellung im griechischen Handel gebracht; namentlich hatdie Pest der Jahre 430427 v. Chr. einen Rückgang derVolkszahl von Attika zur Folge gehabt, von dem es sich niewieder erholt hat. Aber die Pest ist in Griechenland imwesentlichen auf Attika beschränkt geblieben. Auch hatkeine zweite griechische Landschaft auch nur annähernd

1) Siehe W. v. Humboldts AbhandlungÜber die beiverschiedenen Völkern üblichen Systeme von Zahlzeichen undüber den Ursprung des Stellenwerts in den indischen Zahlen.