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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

legien beruhte, welche die Araber von den Ptolomäern teuererkauft haben 1 ).

Als die Städte des griechischen Mutterlandes zurück-gingen, wurde die griechische Pflanzstadt Alexandrien ihreLehrmeisterin, von der sie neue Anregung empfingen.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. war Alexandrien die größteStadt, welche die Welt bis dahin gesehen hatte. Sie zählteetwa 500 000 Einwohner, umfaßte also etwa ein Zehntel derauf 5 Millionen angegebenen Einwohnerschaft Ägyptens 2 ).Dieses erscheint nur als Ausbeutungsgebiet der Hauptstadt.Die in dieser gesprochene griechische Sprache wurde dieAmtssprache des Landes. Der in ihr herrschende griechischeGeist aber schuf das Kulturband, das die Völker zusammen-brachte.

Mit Alexandria wetteiferte Antiochia , da erbaut, wosich der Euphrat der Küste des Mittelmeeres bis auf wenigeTagreisen nähert; es wurde der Ausgangspunkt für denLandverkehr nach dem innern Asien . Aber die Bedeutungvon Alexandrien hat es doch nie ganz erreicht.

Größer als Antiochia war Seleukia am Tigris. Es be-fand sich im Mittelpunkt der reichen und stark bevölkertenbabylonischen Ebene. Hier trafen die Handelsstraßen vomiranischen Hochland und Persischen Golfe zusammen. Esnahm die Stellung ein wie früher Babylon und später Bagdad .

Infolge des Aufblühens dieser und anderer griechi-schen Städte in Asien und Afrika erhielt für die Länder amÄgäischen Meere der Verkehr mit dem Osten eine Be-deutung, der gegenüber alle übrigen Handelsbeziehungen indie zweite Linie traten. Eine seiner Wirkungen war auchdas Aufblühen von Rhodos. Wer immer von Ägypten oderSyrien nach Griechenland fuhr, mußte hier anlegen. Seinekleine, aber tüchtige Kriegsmarine suchte das Meer vonSeeräuberei möglichst frei zu machen. Da Rhodos keineFabrikstadt war, war sein Handel Zwischenhandel. Die

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1) Vgl. Lumbroso p. 158, 159. Über die Handelsverbin-dungen der Ptolomäer mit Indien siehe H ü 11 in a n n a. a. O.S. 221 ff.; Lumbroso p. 139ff.

2) Vgl. B e 1 o c h, Bevölkerung, S. 258 ff., 497.