Die griechische Wirtschaftsentwicklung. 63
Zolleinnahmen von Rhodos betrugen 1000 000 Drachmenim Jahr, nach heutigem Geldwert etwa 100 MillionenMark *).
So war die griechische Volkswirtschaft zur Weltwirt-schaft geworden. Sie trug einen ausgesprochen kapi-talistischen Charakter; das gilt insbesondere für den In-dustriebetrieb, wie er in Ägypten überwiegend mittels ge-dungener, freier Arbeiter stattfand 1 2 ). Die Geldwirtschaftund das Bankwesen haben nunmehr weitere Ausbildung er-fahren. Dabei wird uns auch schon über die unerfreulichenBegleiterscheinungen der kapitalistischen Wirtschaft be-richtet, über die Anhäufung großer Reichtümer in wenigenHänden, das Hinschwinden des Mittelstandes, die Proletari-sierung der Massen, die Aufsaugung des kleinen Grund-besitzes durch Großgrundbesitzer, die selbst immer ver-schuldeter werden 3 ). Ausgezeichnet war die Finanzorgani-sation in Ägypten 4 ). Unter den Ptolomäern wurde dieSteuerverpachtung, wie sie in der ganzen griechischen Weltüblich war, dorthin übertragen. Der Zuschlag erfolgte anden Meistbietenden; das war als Regel eine Gesellschaftvon Kapitalisten. Besondere Ausbildung erhielten die Ein-nahmen aus Zöllen, ferner die Fabrikakzisen und die Ge-bühren. Daneben gab es einen ausgedehnten Domanialbesitzder Krone.
In dem, was ich im vorstehenden von der griechischenWirtschaftsentwicklung erzählt habe, habe ich dargetan, daßdas Aufblühen der griechischen Volkswirtschaft auf demHandel beruht hat. Unter seinem Einfluß ist das gesamtegriechische Wirtschaftsleben der historischen Zeit auf kapi-talistischer Grundlage organisiert worden. Daraus ergibtsich als selbstverständliche Folge, daß es das Streben nachunbegrenztem Gewinn war, der sogenannte kapitalistischeGeist, der es beseelt hat. Ja, er tritt uns schon in der
1) Be loch, Griech. Gesch. 111, 308.
2) Be loch, a. a. O. S. 310.
3) Be loch a. a. O. S. 325—329.
4) B e 1 o c h a. a. O. S. 334 ff.