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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die altjüdischen Wirtschaftsverhältnisse.

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nördliche Richtung hat, sogar sehr starker Tau. Die jähr-lichen Regenmengen sind bedeutend, vielfach stärker als inDeutschland . Die ausgedehnten palästinischen Ebenen sindvon großer Mannigfaltigkeit. Früher waren sie frucht-barer als heute; aber noch heute steigt die Weizenernte imHauran, in der Philister- und Jesreel-Ebene auf bis zu28 dz pro ha. Die Halbbeduinen im Hauran nähren sichausschließlich von Landwirtschaft.

Dem entspricht, was sich über die Wirtschaft der Is-raeliten aus dem Alten Testamente entnehmen läßt. Manschlage es auf, wo man will, und man wird finden, daß vonGetreidefeldern und Fruchtgärten, Weinbergen, Feigen-und Ölbäumen mindestens ebensoviel die Rede ist wie vonWeiden und Viehzucht. So heißt es in den Sprüchen Salo-mos 12, II:Wer seinen Acker baut, wird Brot die Füllehaben. Hiob wird im Besitze von 500 Joch Rindern, mitdenen gepflügt wird, geschildert. Im Prediger steht derSatz (5, 9):Doch ein Vorteil des Landes ist allewegedies: daß ein König herrsche über bebautes Feld. DieRegeln des Ackerbaues von Jesaia (28, 24ff.) werden alsvon Gott empfangene Lehren hingestellt. Das Ideal, dasden Israeliten vorschwebt, ist, daß ein jeder in Ruhe undSicherheit unter einem Weinstock und Feigenbaum wohne(I. Kön. 5, 5. Micha 4, 4).

Fragen wir nach der Wirtschaftsverfassung, unter derdie Hebräer das von ihnen eroberte Land nutzbar gemachthaben, so erscheint es als wahrscheinlich, daß sie, gleichandern Völkern, welche in ein fremdes Land eingedrungen,dessen Bewohner unterworfen haben und gleich den Griechenund später den Germanen, zunächst nicht selbst arbeits-tätig gewesen sind. Sie zogen in die Städte und Dörfer 1 ),welche die Einwohner, die sie in Palästina vorfanden, bisdahin bewohnt hatten, ließen durch diese die Felder be-stellen, und wenn die Städte später besonders genanntwerden, so wissen wir ja auch von den Griechen, daß dieStadt bei ihnen das Übergewicht über das Land erlangt hat.

1) Josua, Kap. 15 u. ff.