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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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110 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

von denen er sich gewisse und sichere Einkünfte ver-sprechen konnte und kaufte Teiche, warme Quellen, freigelegene Plätze, die sich für Walker und andere solche Ar-beiter schickten, und Güter, die aus natürlichen Weiden undGehölzen bestanden. Von diesen hatte er ansehnliche Ein-künfte, die, wie er zu sagen pflegte, selbst von Jupiternicht beschädigt werden konnten. Auch erlaubte er sichden am meisten verschrienen Wucher beim Seehandel auffolgende Art. Er hieß diejenigen, die bei ihm Geld auf-nahmen, mit mehreren anderen in Gesellschaft treten. Wennihrer 50 und ebenso viele Schiffe beisammen waren, nahmer selbst nur einen Teil (Aktie) durch seinen FreigelassenenQuintio, der mit den Anleihern zugleich den Handel be-sorgte und die Seereise mitmachte. Auf diese Weise wagteer nie das Ganze, sondern nur einen geringen Teil und hatteimmer einen ansehnlichen Gewinn dabei. Überdies schoßer seinen Sklaven, die es verlangten, Geld vor. Diesekauften dafür Knaben, welche sie auf Kosten des Catoübten und unterrichteten und nach einem Jahre wiederverkauften. Viele behielt auch Cato selbst und ließ sichdie höchste Summe, die ein anderer dafür bot, anrechnen.Auch was Plutarch zu Beginn desselben Paragraphenüber die Art und Weise, wie Cato seine Sklaven, männ-liche und weibliche, ausgebeutet hat, sagt, läßt den großenSittenzensor als einen Mann erscheinen, der nicht vor denschimpflichsten Handlungen, wenn sie nur Geld bringen,zurückschreckt 1 ). Seinen Bericht über Cato als Wirt-schafter schließt dann Plutarch mit den Worten:Zu demallen hielt er auch seinen Sohn an und sagte:Die Ver-minderung des Vermögens ist wohl einer Witwe, aber nieeinem Manne zu verzeihen. Ein noch stärkerer Aus-spruch des Cato ist:daß er den einen bewunderungs-würdigen, ruhmvollen und göttlichen Mann zu nennen wagt,in dessen Rechnungen sich nach seinem Tode findet, daß ermehr erworben als geerbt hat.

1) Cato ließ seine Sklaven, seine Mägde gegen ihm zu ent-richtendes Entgelt beschlafen. Vgl. Plutarch , ebenda c. 21.