114 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
Aber der Haupterwerb floß außerhalb Italiens . Diegroßen Vermögen wurden gemacht in der Verwaltung vonProvinzen, im Pachten der Steuern, welche die Provinzenzu zahlen hatten und in der Bewucherung der auswärtigenKönige, von Gemeinden in der Provinz und in Geschäftenjeder Art mit den Provinzialen. Zur Zeit Ciceros gab eseine Klasse von negotiatores und publicani, so stark, daßsie bei feierlichen Gelegenheiten als Korporation auftrat.Sie machten Gelddarleihen an Gemeinden, an den Staat.Die asiatischen Reguli waren sämtlich Schuldner römischerRitter. Das kleine Kapital beteiligte sich als Aktionär. Undzahlte der König nicht, so stand hinter den Gläubigern dasrömische Heer, um für die Erfüllung der Schuldverpflich-tungen einzutreten 1 ).
Wir kennen durch Cicero eine große Zahl von Männern,welche auf diese Weise reich geworden sind 2 ): Verres,Pompejus, Brutus, Rabirius , Plancius, Sittius, Castricius,Heraklides, Egnatius, Cluvius , Puteolanus und andere. Einesder ausgebildetsten Exemplare aber war der Freund Ciceros ,Attikus. Seine Korrespondenz mit Cicero und seine Bio-graphie, verfaßt von Cornelius Nepos , geben uns ein Bildder Geschäfte, wie sie die Plutokratie machte zur Zeit,da Rom den Geldmarkt beherrschte 3 ).
Attikus gehörte von Geburt zur Ritterschaft, von deres hieß: „Wohin einer von ihnen kam, hörten Gerechtig-keit und Freiheit für Alle auf.“ Er hatte von seinem Vaterzwei Millionen Sesterzen, gleich 352000 Reichsmark, geerbtund eine Erziehung zum Ästheten erhalten. Beides war be-stimmend für die Einrichtung seines Lebens., Er lebteweiterem Gelderwerb und seiner weiteren Ausbildung, und
1) Ein typisches Beispiel bietet die Geschichte des Rabirius und des von ihm bewucherten Ptoljomaeus Auletes. Siehe Gui-raud, Histoire d’un financier romain in seinen ßtudes economi-ques sur l’antiquite, 2. ed., p. 204.
2) Vgl. über sie Emile Belot, Histoire des Chevaliersromains, 2 vols, Paris 1873, bes. II 148 ff.
3) Vgl. Salvioli a. a. O., Deutsche Übersetzung, p. 34ff.