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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 117

Herren des römischen Reiches waren. Ihnen fielen dieBauern zum Opfer. Die großen Kapitalisten kauften sieaus, und blieb der eine oder andere Bauer eigensinnig, sowurde sein Acker wohl auch ohne Kaufbrief eingezogen,wobei es nicht immer gütlich abging 1 ). Anlaß dazu gabdie Verschuldung, in welche die bäuerliche Familie, nament-lich bei Abwesenheit des paterfamilias, im Kriege geriet.Man ging sogar so weit, daß man nicht einmal die Ge-richte in Anspruch nahm, um sich die verschuldeten Bauern-güter anzueignen. Wenn der Besitzer im Felde abwesendwar, trieb man die schutzlose Familie einfach mit Gewaltaus, und der Zurückgekehrte suchte oft vergebens die inNot und Entbehrung verkommenen Angehörigen. Wie all-gemein diese Art des Vorgehens war, zeigt, daß es demPompejus zur großen Ehre angerechnet wurde, daß erniemals Bauern ausgetrieben habe 2 ).

In dieser Weise war der Latifundienbesitz in Italien entstanden. Weder das Ackergesetz des Gaius Licinius,noch die gracchische Bewegung, noch die Ansiedlung von120 000 Bauern durch Sulla 3 ) hatte der Entwicklung Ein-halt zu gebieten vermocht. Noch stärker war die An-häufung des Grundbesitzes in wenigen Händen in denProvinzen. Insbesondere zeigte sich die Ansiedlungder Veteranen in den Provinzen nicht als Mittel, um neuenkleinen Grundbesitz zu schaffen. Nachdem sie den größtenTeil ihres Lebens als Soldaten zugebracht hatten, sagte esihnen nicht zu, gegen Ende ihres Lebens Bauern zu werden.Sie verkauften ihren Grundbesitz an die Senatoren, dieLatifundien bildeten. Daher der bekannte Satz bei Pli-nius 4 ):Die Latifundien haben Italien zugrunde gerichtet,schon ruinieren sie auch die Provinzen. Die Hälfte derProvinz Afrika gehörte 6 Großgrundbesitzern; da expro-

1) Appian, Bürgerkriege I 7. Vgl. auch Morn msen, Rö-mische Geschichte II, 81.

2) Vgl. Hoffmeister, Die wirtschaftliche EntwicklungRoms, Wien 1899, S. 53.

3) N i e b u h r, Vorträge II, 380.

4) Historia naturalis XVIII 7.