126 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
fesselt arbeiteten, und das ergastulum, der Arbeiterzwinger,ein Kellergeschoß mit vielen schmalen Fensteröffnungen,die vom Boden nicht mit der Hand zu erreichen waren,zum Aufenthalt für die Sklaven, die gefesselt zur Feld-arbeit verwendet wurden. Es befanden sich ferner imäußeren Hofe die Küche für die Sklaven, der Keller unddie Speicher, die Wein- und Ölpressen. Da ferner die ta-bernae fullonicae, sutrinae, tonstrinae, d. h. die Werkstättenund Buden zur gewerblichen Verarbeitung und Verkauf derhergestellten Produkte an Kolonen und Nachbarschaft. Iminneren Hofe waren die Ställe und das Vieh.
Die in der Bewirtschaftung beschäftigten Sklavenhießen im Gegensatz zu denen, welche den persönlichenBedürfnissen dienten, zur familia urbana: familia rustica.
Die villa war also ein mittels Sklaven bewirtschaftetesLandgut. Der leitende Wirtschaftsbeamte hieß Vilicus. Ernimmt die Instruktionen des Herrn entgegen, nimmt ein,gibt aus, kauft und verkauft, trifft Anordnungen, straftin Abwesenheit des Herrn.
Die Sklaven waren auf dem Höhepunkt des Sklaven-betriebs, im Anfang der Kaiserzeit, streng militärisch or-ganisiert 1 ). Sie schliefen kaserniert und aßen gemeinsam;von monogamischen geschlechtlichen Verhältnissen kann imallgemeinen nicht die Rede gewesen sein. Sie waren ein-geteilt in Gruppen von je 10, Decurien; dekurienweisehatten sie des Morgens anzutreten, wurden vom vilicus undder vilica gemustert und dann in Gruppen von 3—10 zurArbeit geführt, unter der Aufsicht von „Antreibern“,monitores.
Die Arbeit war ihnen nach Körperkräften zugeteilt.„Zum Pflügen“, sagt Columella 2 ), „nimmt man die Läng-sten, einmal weil ein langer Kerl schon durch seine Leibes-statur dem Vieh Furcht einjagen kann und er die Ochsennicht so sehr zu prügeln braucht, damit sie gehorchen; so-
1) Über die Lage der Sklaven vgl. Weber, RömischeAgrargeschichte 238 ff., 272 ff.
2) Columella, Zwölf Bücher von der Landwirtschaft I, 9 .