136 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
werbesteuer. Das Collegium eines jeden Gewerbes an jedemOrt muß als solches die Gewerbesteuer entrichten und re-partiert sie dann unter die einzelnen Gewerbsgenossen.
2. Staatsbetriebe, besonders unter den Kaisern.
Im Staatsbetrieb befanden sich meist die Bergwerke,Steinbrüche, Salzwerke; mitunter finden wir sie auch ver-pachtet, seit der Kaiserzeit meist aber in eigener Regie.Ferner wurden die Münzen, die Goldarbeiten für Kaiser undHof in kaiserlichen Manufakturen hergestellt. Desgleichengab es kaiserliche Waffenmanufakturen, ferner Gynäceenfür jegliche Art von Weberei; ferner Färbereien. Auch gabes im Anschluß an die Bedürfnisse der kaiserlichen Ver-waltung eine organisierte Brief- und Paketpost (cursuspublicus)*).
ln Gallien gab es acht Waffenmanufakturen, besondersim Norden und Osten, in der Nähe der Standlager derLegionen, darunter zwei in Trier, eine in Reims, eine inStraßburg. In Trier auch Münze, Goldarbeiter, Webereien,ebenso in Metz und Tournay. Auch Goldwäschereien inGallien.
An der Spitze des Betriebs ein praepositus. Die Ar-beiterzahl war verschieden; wir finden Betriebe von 27 bis400 Arbeiter. Die Arbeiter bestanden aus Sklaven, Frei-gelassenen und Freien. Die Aufseher waren meist Frei-gelassene. In den Berg- und Salzbergwerken be-schäftigte man meist Verbrecher als Arbeiter. Eine strengeArbeitskontrolle fand statt, und strenge Strafen wurdenverhängt. Die Lage der in diesen Betrieben Beschäftigtenmuß eine wenig erfreuliche gewesen sein. Damit sie sichden Arbeiten nicht entzogen, wurden sie an den Betriebgebunden. Ihr Arbeitsverhältnis war lebenslänglich underblich.
1) V. Humbert, Les postes chez les Romains. Rec. deI’Academie de legislation de Toulouse, 1872, p. 298 et ss. — Le-quien de Lenneville Usage des postes chez les anciens et lesmodernes, 1730. — Naudet, Memoire sur l’administration despostes chez les Romains. Paris 1846. — Duruy, Hist. Rom.T. IV, p. 15 ff.