Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 137
3. Die kapitalistische Unternehmung. Ich habeschon bei Darlegung der Organisation des Landwirtschafts-betriebs auf den römischen Latifundien gesagt, daß dessenBesitzer schon aus landwirtschaftlichen Gründen dahin streb-ten, die gewerblichen Produkte, die sie benötigten, selbst her-zustellen: die gewerblichen Arbeiter mußten nämlich in derErntezeit in der Landwirtschaft mithelfen. Die auf demLatifundium in gewerblicher Arbeit beschäftigten Sklavenarbeiteten in erster Linie für die Bedürfnisse ihres Herrn.Ein Reicher besaß alle Arten von Sklaven für seine Luxus-bedürfnisse. Aber der Ankauf einer familia von Sklavenwar gleichzeitig auch eine Kapitalanlage. Die Sklavenarbeiteten für die Bedürfnisse des Publikums. Auch wurdensolche Sklaven an andere verpachtet, die sie gegen Ent-richtung des Pachtgeldes nutzbar machten und den Ge-schäftsgewinn zogen. Indes hat der kapitalistische Groß-betrieb des Gewerbes in Italien wohl nie große Bedeutungerlangt. Sein Sitz war in den griechischen Städten desOstens in Griechenland, Kleinasien, vor allem in Alexandria .Von dorther bezogen die Römer die begehrten Luxuspro-dukte. Ich habe den wirtschaftlichen Zustand Griechen-lands und der durch Alexander den Großen und seine Nach-folger durchaus hellenisierten übrigen östlichen Mittelmeer-länder im § 3 geschildert. Ich habe insbesondere vonAlexandria gesprochen und wie es unter den Lagiden zumSitze blühender industrieller Großbetriebe und zur erstenHandelsstadt der Welt geworden war. Durch die Römer,wurde daran nichts geändert. Es blieb der Hauptsitz einerblühenden Großindustrie. In einem angeblich von Hadrian herrührenden Briefe heißt es 1 ) von Alexandrien : „Die Stadtist reich an Schätzen und Hilfsquellen. Da legt keiner dieHände in den Schoß. Hier wird in Glas gearbeitet, dortin Papier, dort in Leinwand. Alle diese geschäftigen Men-schen scheinen irgendein Gewerbe zu betreiben. Selbstsolche, die von Podagra und Chiragra geplagt oder blindsind, machen sich zu tun. Ihr Gott ist das Geld; Christen,
1) Vopiscus, Vita Saturnini, cap. II.