Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

138 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

Juden, alle Nationen beten ihn an. Von Firmus, einemalexandrinischen Papierfabrikanten, erzählt Vopiscus 1 ), daßer sich häufig gerühmt habe, aus dem Ertrag seines Be-triebs ein Heer unterhalten zu können; gewiß ein Zeichenhochentwickelten kapitalistischen Betriebs. Auch hat er,wenn auch erfolglos, den Versuch gewagt, sich zum Impe-rator ausrufen zu lassen. Vor Allem war Alexandria , wieschon früher bemerkt, der Ort, wo Osten und Westen sichdie Hand reichten. Dorthin wurde Alles gebracht, um vondort aus in alle Länder der Welt verfrachtet zu werden. ZurZeit Ciceros ging eine Linie regelmäßig von Alexandrien nachPuteoli , wo jederzeit alexandrinische Schiffe jeder Art undjeder Größe vor Anker lagen 2 ). Und wie Strabo bezeugt 3 ),verschiffte Ägypten zu seiner Zeit die Ausfuhr vieler Länderdes Ostens nach den Ländern des Mittelmeeres. Auchhören wir von Maßnahmen zur Mehrung ihrer Einkünfte,wie sie später die Holländer ergriffen, daß sie nämlicheinen Teil der natürlichen Erträge vernichteten, um durchdie Seltenheit den Preis in die Höhe zu treiben 4 ). Was derOsten von Rom für seine Waren erhielt, waren aber nichtrömische Produkte; die produzierte es, wie gesagt, nicht; ererhielt dafür Edelmetalle.

Die Mittel, diese Edelmetalle schicken zu können, gabenden Römern ganz andere Arten von kapitalistischen Unter-nehmungen.

1) Vospicus, Vita Firmi, cap. III: De hujus divitiis multadicuntur. Nam et vitreis quadraturis, bitumine aliisque medi-camentis insertis, domum induxisse perhibetur; et tantum habuissede chartis, ut publice saepe diceret, exercitum se alere possepapyro et glutino. Idem et cum Blemyis societem maximamtenuit, et cum Saracenis; naves quoque ad Indos negotiatoriassaepe misit.

2) Lumbroso S. 157. 3) Strabo XVII, 793.

4) Strabo XVII, 800 berichtet von der Papyrusstaude:Auch hier haben einige, die ihre Einkünfte erhöhen wollten,die Schlauheit der Judäer angewendet, welche jene bei der Dattel,besonders der Nußdattel und beim Balsam erfanden. Denn sielassen sie nicht an vielen Orten wachsen und indem sie durch dieSeltenheit den Preis in die Höhe treiben, vermehren sie so zwar

ihre Einkünfte, vernichten aber die allgemeine Benutzung.