144 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
außer dem Gewinn beim Geldhandel auch Notariatsge-bühren zuflossen.
Um den Wuchergesetzen zu entgehen, nahmen die rö-mischen Kapitalisten Latiner als Strohmänner. Als auchdie Latiner im Jahre 193 v. Chr. den römischen Gesetzenunterworfen wurden, machten sie ihre Geldanlagen in denProvinzen.
Unter den in Rom und den römischen Provinzentätigen Bankier befanden sich viele Griechen. Nach ihrerUnterwerfung unter die Herrschaft Roms ist ihre Stellungzu ihren Beherrschern in doppelter Hinsicht von der andererunterworfener Völker verschieden gewesen. Das Strebender Römer ging nicht etwa dahin, die durchaus helleni-sierten östlichen Mittelmeerländer römisch zu machen,sondern sich selbst zu hellenisieren. Daher auch umge-kehrt die Hellenen in ihrem eigenen Leben nichts änderten.Bei den von den Römern unterworfenen westlichen Völkernfinden wir, daß sich deren Angehörige alsbald nach ihrerUnterwerfung an den römischen Staatsgeschäften beteiligthaben. Nicht so bei den Hellenen und den Angehörigen derhellenisierten Länder des Ostens. Erst in später Zeit undnur in beschränktem Umfang sind sie in den römischenStaatsdienst eingetreten 1 ). Aus den griechischen Städtensiedelte man nicht so leicht nach der Hauptstadt des Reichsüber, wie aus Vienna und Narbo 2 ). Man ging auf in demkapitalistisch organisierten Erwerbsleben, wie wir es kennengelernt haben, beschäftigte sich mit Wissenschaft und Kunstund mit Spielen, und wurde in den guten, wie in denschlimmen Tätigkeiten des Friedens Vorbild und Lehr-meister der Römer .
So rekrutierten sich auch aus Hellenen und helleni-sierten Orientalen die Geschäftsleute in Rom , namentlichauch aus Juden. Wie anderswo so finden wir sie schonvor Christi Geburt in Rom . Ich habe erzählt, wie die Judenin der Diaspora zum Handelsvolk geworden waren, und