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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 143

Schaft bis in das Innere der angrenzenden Länder durchalle verfügbaren Mittel mit äußerster Energie. Ihre Miß-bräuche haben dann zu Aufständen in den von ihnen aus-gebeuteten Ländern geführt. So ist der Aufstand derGallier unter Vercingetorix entstanden. Darauf Massa-krierung der römischen Händler durch die empörten Ein-geborenen und darauf die Eroberung Galliens . So auchwars in Kleinasien ; die Folge war der Krieg mit Mithri-dates. Es war also ganz so, wie wenn wir heute bei derErschließung Chinas die Eingeborenen so ausbeuten, daßein Boxeraufstand entsteht, worauf wir Heere zur Unter-werfung der Aufständigen und Plünderung des Landes ent-senden, nur daß die negotiatores von heute meist nochMissionare als Hilfstruppen haben und es vorziehen, diesestatt ihrer ermorden zu lassen.

Eine dritte Art von Händlern waren die Bankiers. IhrBetrieb war der früheste kapitalistische Handelsbetrieb. Mitdem Gelddarlehen hat dieser begonnen.

Ich habe schon von der Strenge der römischen Schuld-gesetze gesprochen, habe erwähnt, wie Shakespeares Shylockim alten römischen Schuldrecht begründet ist, habe vondem Generalstreik der verschuldeten Plebejer und ihremAuszug auf den heiligen Berg erzählt. Im Jahre 323 v. Chf.ist eine Erleichterung des Schuldgesetzes beschlossenworden. Nur das Gut, nicht der Körper des Verschuldetensollte fortan haften. Auf diesem Prinzip beruht das Bankier-wesen.

Schon seit der Zeit des Tarquinius standen um dasForum herum Wechseltische. Ihre Inhaber handelten zu-gleich mit Edelmetallen. Sie versahen gleichzeitig die Funk-tionen einer Art Amtsschreiber und liehen bei öffentlichenVerkäufen dem, der den Zuschlag erhalten hatte, Geld.Ferner nahmen sie Depositen an und standen mit den Ein-legern in Kontokorrentverkehr. Ihre Register galten vorGericht als Bescheinigung, der Anfang davon, daß kauf-männisch geführten Büchern Glaubwürdigkeit zukommt..Das kam auch darin zum Ausdruck, daß diesen Bankiers