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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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142 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

Polybios VII, 7,bei denen der Senat denen, welche vomStaate Pachtungen übernommen haben, großen Schaden undandererseits Vorteile schaffen kann. Diese Abhängigkeitvom Senat hat aber nur zu dem intensiven Streben dermächtigen Gesellschaften geführt, den Senat in die Handzu bekommen. Daher der Senat oft zu ihren schlimmstenMißbräuchen die Augen schloß (vgl. Livius XXIV ). Auchdie Gerichte waren zugunsten der publicani parteiisch. Sowurden diese zu Beherrschern des Staats. Ihre Geschichtespielt sich ab zwischen dem zweiten punischen Krieg undAugustus. Sie führen zum Ende der Republik . Die auf diesefolgenden Kaiser sind systematisch bemüht gewesen, dieGesellschaften der publicani zu zerstören.

Verschieden von den publicani waren die negotiatores.Die publicani waren kapitalistische Ausbeuter im Großen,die negotiatores im Detail.

Wir haben gesehen: Rom verdankte seine Stellung inLatium seiner Lage am Tiber . Diese hat den Handelsgeist inden Römern geweckt und Rom zum Handelsemporium vonLatium gemacht. Roms frühe Handelsverträge mit Kar-thago habe ich erwähnt. Ebenso habe ich erzählt, wie imGefolge der punischen Kriege der Goldhunger erwacht istund Rom aus einem Agrarstaat ein Geldstaat mit über-wiegender Geldwirtschaft geworden ist. Die Leidenschaftfür Handelsgeschäfte hat die Römer bis in die unterstenKlassen erfaßt. Selbst die römischen Soldaten wurden zuHändlern und trugen Sorge, in ihrem Gürtel Geld mitzurnehmen, um bis in die entferntesten Gegenden, in die sieder Krieg führte, Geschäfte zu machen. Sie spekulierten,wo immer der Dienst ihnen Zeit dazu ließ, wurden zu nego-tiatores und hatten wenig Skrupel beim Betrieb ihrer Ge-schäfte. Sie kumulierten den Handelsbetrieb mit demWaffenhandwerk (vgl. Livius XXXIII 29).

Aber oft waren ganz so wie heute die Geschäfteder negotiatores das, was erst zum Krieg geführt hat. Schonbevor man Truppen in ein Land entsandte, hatten die nego-tiatores davon Besitz genommen. Von den Grenzen derProvinzen verbreiteten sie ihre Finanz- und Handelsherr-