Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
141
Die kleinen Aktionäre konnten ihre Anteile verkaufen.Wir finden ein Börsenspiel in Aktien und Makler, die denAnkauf und Verkauf vermittelten.
Sobald die mancipes, die Gründer, den Zuschlag er-halten hatten, begaben sich die publicani mit einem Heerevon Agenten und Sklaven in die Provinz, die ihnen ausge-liefert war. Wir finden eine großartige Organisation desBetriebs, so z. B. Spezialkuriere, welche den Verkehrzwischen den in den Provinzen weilenden Beauftragten derGesellschaften und deren Leitern in Rom , sowie den Speku-lanten auf der Börse vermittelten.
In den Provinzen befand sich die Einsammlung derSteuern in der Hand von Steuererhebern. Die Evangelienreden wiederholt von ihnen und stellen sie regelmäßigschlecht beleumdeten Personen gleich; die publicani sindihnen gleichbedeutend mit peccatores. Zur Zeit Christi sinddie Steuererheber tief verachtet. So heißt es bei LucasKap. 18, 13: „Und der Zöllner stand von ferne, wollte auchseine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug anseine Brust und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig.“ ImKapitel 19 bei Lukas heißt es von Zachäus : „der war einOberster der Zöllner, und war reich“, und als Jesus beiihm einkehrt, heißt es weiter, „murreten sie alle, daß er beieinem Sünder einkehre“. Desgleichen heißt es bei MatthäusKap. 9, V. 11, daß, als viele Zöllner zu Jesus kamen undmit ihm und seinen Jüngern zu Tisch saßen, die Pharisäerzu diesen sprachen: „Warum isset euer Meister mit denZöllnern und Sündern?“ Beide, Zachäus und Matthäus ,waren höhere Steuerbeamte.
Die untergeordneten Beamten (coactores, tabellarii,Boten, Schreiber) waren Sklaven und Freigelassene, lneinzelnen Provinzen waren sie übelberüchtigte Gesellen.
Die Senatoren konnten nicht mancipes, wohl aber parti-cipes sein. Der Senat hatte das Schicksal der publicani inseiner Hand. Er konnte nämlich bei Eintritt eines Un-glücks eine Erleichterung gewähren, und wenn Unmöglich-keit, eine übernommene Verpflichtung zu erfüllen, vorlag,von dieser entbinden. „Es gibt viele Gelegenheiten“, sagt