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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
folgenden Germanenreichen, sowie der Kammerknecht-schaft der Juden in Deutschland , des Exchequer of the Jewsin England und der besonderen Besteuerung der Juden inFrankreich .
In Rom sind die Juden Wechsler und Bankiers ge-wesen; aber sie waren nicht die einzigen.
Es ist bekannt, welche Förderung die Verbreitung derJuden über die Welt der Ausbreitung des Christentums ge-bracht hat. Das Christentum aber mußte seinem ganzenWesen nach mit dem Prinzip des Handels in Widerspruchtreten*). Der Handel strebt nach seinem innersten Wesennach dem größtmöglichen Gewinn; das Evangelium da-gegen warnt die Menschen nachdrücklichst vordem Trachtennach Reichtum, und unter dem Einfluß der griechischenPhilosophen hatten die Kirchenväter diese seine Lehre inallen ihren Konsequenzen ausgebildet. Aber auch bei denChristen siegte in der Praxis die Erwerbslust über dieLehre. Zum Beleg verweise ich auf das schon angeführteZeugnis in dem angeblichen Briefe Kaiser Hadrians ausAlexandria : „Ihr Gott ist das Geld; Christen, Juden, alleNationen beten ihn an“, und ganz besonders zeigt uns dieBeteiligung der Christen am Bankiergeschäft der Berichtdes hl. Hippolytus über die Bank des Kallistus zur Zeitdes Kaisers Commodus 1 2 ).
Danach hatte Commodus einen Kammerherrn NamensKarpophorus, der Christ war. Dieser besaß einen SklavenKallistus, der gleichfalls Christ war. Er vertraute ihm einebeträchtliche Summe an, damit er sie in Bankgeschäftennutzbar mache. Kallistus eröffnete damit ein Geschäft amFischmarkt. Als Agent einer so hoch stehenden Persönlich-
1) Vgl. Lujo Brentano , Ethik und Volkswirtschaft inder Geschichte in dessen „Der wirtschaftende Mensch in derGeschichte“ 34 ff.
2) Siehe Philosophumena sive haeresium omnium con-futatio ed. Patricius Cruce. Parisiis 1860, p. 436 ff. Vgl. dazumeine Abhandlung „Die wirtschaftlichen Lehren des christlichenAltertums“ in „Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte,109 ff.