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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft. 147

keit wie Karpophorus erhielt er alsbald bedeutende Einlagenvon zahlreichen Witwen und gläubigen Christen. Daraufscheinen die Juden eifersüchtig geworden zu sein undeinen Sturm auf die Bank des Kallistus organisiert zu haben.Die Folge war, daß Kallistus an den Rand des Bankerottsgeriet. Als Karpophorus dies vernahm, war es ihm sehrpeinlich, was sich angesichts seiner Stellung wohl be-greifen läßt, und er erklärte den Gläubigern der Bank, erwerde den Kallistus zur Rechenschaft ziehen. Als Kallistusdies hörte, versteckte er sich aus Furcht vor dem Zornseines Herrn, floh hin zum Meere, um der ihm drohendenGefahr zu entgehen, und, da er in Portus ein Schiff fand,bereit die Anker zu lichten, bestieg er es, ohne zu fragen,wohin es bestimmt sei; denn er hatte kein anderes Ziel,als sich außerhalb des Bereichs seines Herrn zu bringen.Aber all dies ließ sich nicht so geheim machen, daß Karpo-phorus nicht davon gehört hätte. Ohne Zeit zu verlieren, eilteer zum Hafen und fand das Schiff gerade im Abfahren. Ersprang in eine Barke, um es zu besteigen, worauf Kallistus,der ihn kommen sah, sich ins Meer stürzte. Er wurde abergegen seinen Willen gerettet und seinem Herrn übergeben,der ihn nach Rom zurückbrachte und auf die Tretmühle schickte.

Damit war aber den Christen, die in der Bank desKallistus ihr Geld hinterlegt hatten, nicht gedient. Siedrangen in Karpophorus, er möge seinem Sklaven ver-zeihen; dieser behaupte, er habe das Geld in guten Händen,und wenn man ihn freiließe, werde er imstand sein, dieAnlage zu realisieren und das ihm Anvertraute zurückzu-zahlen; andernfalls werde das Geld verloren sein. Karpo-phorus, der ein sehr ehrlicher Mann war, antwortete,es liegeihm nicht an dem Geld, das ihm selbst gehöre, aber sehrviele hätten ihm geklagt, daß sie nur im Vertrauen auf ihnihr Geld in der Bank des Kallistus hinterlegt hätten. Erließ sich also erweichen und entließ den Kallistus aus derTretmühle. Der arme Kallistus aber hatte keinen Pfennig,den er hätte zurückzahlen können; auch konnte er nichtmehr davonlaufen, da man ihn genau überwachte. So faßteer den Plan, zu sterben. An einem Sabbath ging er unter

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