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vielleicht nirgends sind gleich zahlreiche und gleich präch-tige Landhäuser zum Vorschein gekommen, vor allenDingen im Osten Galliens, am Rhein und seinen Zuflüssen“,also in den, wie schon gesagt, ganz besonders romani-sierten beiden Germanien. Köln war nach Tacitus 1 ) schonim Jahre 71, also 21 Jahre nach der römischen Koloni-sierung, durch seine Wohlhabenheit und sein Wachstumfür die Deutschen auf dem rechten Rheinufer ein Gegen-stand des Neides. Darauf deutet auch, daß, während unsTacitus 2 ) die Agri Decumates, das Neckargebiet, als einenStrich bezeichnet hatte, wo nur levissimus quisque Gallorumet inopia audax sich ansiedle, Ammianus Marcellinus 3 ) vonden Häusern der Alamannen auf dem rechten Rheinufer vonStraßburg bis Mainz , die Julian nach der Schlacht beiStraßburg zerstörte, berichtet als domicilia cuncta cura-tius ritu romano constructa. ln Württemberg alleinhaben sich bei 160 Städten und Orten Spuren größererund kleinerer römischer Ansiedlungen gefunden, derenBlüte Reste von Bädern, Wasserleitungen, Marmororna-menten, Skulpturen, Mosaiken, Bronzen, verzierten Glas-und Tongeschirren, sowie der Bestand gewerblicher Colle-gien bezeugen 4 ). Von Augsburg aber hatte schon Tacitusgesprochen als splendidissima Raetiae provinciae colonia 5 ).
Die Provinzen Gallien und Germanien standen in be-sonderer Blüte.
Erste Grundlage derselben war die Landwirtschaft.
Wie war diese Landwirtschaft organisiert?
Es gab Großbesitz und Kleinbesitz.
Von beiden war der erstere der wichtigere, denn:
1. der Kleinbesitz wurde vom Großbesitz aufgesogen;