164 Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .
festgefügten Bau des römischen Reiches. Das bewirkte eineÄnderung in dem politischen, nicht aber in dem wirtschaft-lichen Charakter ihrer Züge. Sie gaben vor, nicht alsFeinde zu kommen; sie kamen als Schutzflehende, die gernebereit waren, gegen Aufnahme und Zuweisung von LandGegendienste zu leisten.
Schon die Cimbern und Teutonen, mit denen der Kon-flikt zwischen Germanen und Römern begann, hatten ge-beten, „ut Martius populus aliquid sibi terrae daret quasiStipendium; ceterum, ut vellet manibus atque armis suis ute-retur“ 1 ). Allein damals waren die Römer noch imstandgewesen, sich der Andrängenden zu erwehren. Dagegenwurden schon unter Augustus, Tiberius , Claudius, Nerogermanische Völkerschaften im Römerreich angesiedelt 2 ).Sie hatten den Römern Steuern zu zahlen und Rekruten zustellen. Dann hat die Ansiedlung von Barbaren im Römer-reich mehr als ein Jahrhundert geruht. Der erste, von demuns berichtet wird, daß er sie als unfreie Kolonen an-siedelte, war Marc Aurel .
Um die Zeit der Thronbesteigung Marc Aurels (161nach Christus) ein Drängen der germanischen Stämme ander mittleren Donau , der Langobarden, Ösen, Victovalen,Quaden, Markomannen. Sie bitten um Aufnahme ins Reich.Als im Jahre 166 6000 ohne Erlaubnis auf römisches Gebietübergingen, wurden sie besiegt. Im Jahre 167 verheerteeine große Pest das römische Reich. Über die Hälfte derBevölkerung soll gestorben sein. Nun überschritten dieGermanen 169 abermals die Grenze, mehr als 20 Völker-schaften. Sie wurden durch Marc Aurel besiegt. Doch nungewährte er ihnen die Ansiedlung im Reiche. Allerdingsunter harten Bedingungen. Nach Kriegsrecht waren sieSklaven geworden; Marc Aurel machte sie zu Sklaven nachgermanischer Art, d. h. sie wurden halbfrei, Laeti, verpflichtetzu Abgaben und Diensten. Er verteilte sie an römische
1) Florus III, 3.
2) Vgl. S e e c k, Geschichte des Untergangs der antikenWelt, I, 403—407.