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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .

allein zuzueignen verständen. Die Folgen dieses Drucks gibter in folgender Abstufung an. Einige begäben sich in denSchutz der Reichen, überließen diesen ihr Grundeigentumund würden deren Klienten. Für den gewährten Schutzaber forderten ihnen die Reichen alle ihre Habe ab, undließen sie dennoch die Steuern für diese weiter tragen, sodaß sie die Grundsteuer, der sie hätten entgehen wollen,fortwährend tragen müßten. Die Klügeren aber verließenihr eigenes Gut ganz und würden Kolonen auf den Güternder Reichen. Dabei erführen sie aber doch das aller-härteste Schicksal, indem sie zuerst als freie Fremdlingeaufgenommen, dann aber zu wirklichen Sklaven gemachtwürden 1 ).

Die Folge dieser Kommendationen ist das Wachsen derGrundherrschaften.

Zu den Latifundien der gallo-römischen Magnaten undder Kirche kommen die durch die Usurpationen der Be-amten entstandenen hinzu. Das Kronland ist aufgeteilt invillae der Beamten.

Somit besteht das Ergebnis der Entwicklung der römi-schen Agrarverfassung für die römischen Provinzen nörd-lich der Alpen in der Ausbildung des Vorbildes für dieGrundherrschaft des Mittelalters und in der Entstehung desunfreien Kolonats.

Diese Provinzen sind mit Villen bedeckt, bestehendeinerseits aus einem Herrenhof, bewirtschaftet mit Sklavenunter einem vilicus, und andererseits aus einem Dorfe vonschollenpflichtigen, abgabe- und dienstpflichtigen Kolonen.

So zeigt sich denn, daß es ein Irrtum ist, wenn mandas grundherrlich-bäuerliche Verhältnis des Mittelalters erstfür ein Produkt der germanischen Entwicklung dieserEpoche hält. Es ist weit älter. Es geht hervor aus der

1) Vgl. von Savigny, Über den römischen Kolonat. Ab-handlungen der Kgl. Preuß. Akademie der Wissenschaften fürdie Jahre 1822 und 1823, Historisch-philologische Klasse, S. 23.Libanius, itspl repoataauiv, im zweiten Band der Ausgabe vonieiske.