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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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180 Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .

des Verkehrslebens in den Provinzen Gallien und Ger-manien bemächtigten. 75 Jahre nach der ersten Expe-dition zirkuliert kein Denar ohne Dazwischenkunft einesrömischen Bürgers.

Wie nun die Provinzen Gallien und Germanien sichüberhaupt rasch an Rom assimilierten, so finden wir auchdieselbe Organisation des Gewerbebetriebes in diesen Pro-vinzen wie in Rom .

Im § 5 bei Schilderung der römischen Volkswirtschafthabe ich von der Organisation der Gewerbe in Collegiagesprochen. Viele Spuren solcher Collegia finden sich auchin den beiden Germanien und Belgica, namentlich In jSchriften ausgegraben in Mainz, Metz und Trier .

Die Solidarhaft der Gewerbegenossen für die Gewerbe-steuer führte auch hier zur Bindung derjenigen, die einGewerbe einmal ergriffen hatten, an das Gewerbe, wenig-stens seit dem vierten Jahrhundert. Auch hier zwangsweiseZurückführung zum Collegium und zur Arbeit bei Flucht.

Allein das genügte nicht, um die nötige Zahl von Ge-werbetreibenden zu sichern. Daher man auch bedacht war,neue Gewerbetreibende in die Gewerbe zu locken. Zu demZweck stellte man denen, die ein Gewerbe ergreifen würden,Privilegien in Aussicht. Solche Privilegien waren Freiheitvom Militär und vom städtischen Dienst, mitunter auch vonFrondiensten, in den Nahrungsmittelgewerben sogar vonSteuer.

Die Schiffer erhielten den Rang von Rittern. Die^jenigen, welche in einem der 34 liberaleren Gewerbe sichausgezeichnet hatten, sollten den Titel von Comites er-halten, desgleichen derjenige, der 5 Jahre Schweinehändlergewesen. Bäcker wurden seit 364 bei Austritt aus demGewerbe mitunter in den römischen Senat aufgenommen.Das sind deutliche Zeichen des Verfalls, der als Folge derUnterdrückung der Freiheit eingetreten. Nichts charakte-ristischer, als wenn es an einer Stelle heißt, man sollesolche emporgestiegene Leute nicht verachten, weil siefrüher als Detailhändler von den Ädilen gepeitscht werden