Druckschrift 
Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

Die byzantinische Volkswirtschaft.

So war es noch unter Justinian . Aber was die Byzan-tiner in Syrien und Ägypten an blühenden gewerbe- undhandeltreibenden Städten besaßen, verloren sie im 7. Jahr-hundert zuerst an die Perser, dann an die Araber. Im Jahre641 wurde Alexandrien , bis dahin die erste Handelsstadt derWelt, arabisch. Dagegen finden wir die europäischen Städtedes Byzantinerreichs um diese Zeit wieder im Aufblühen.Trotz der Slavisierung gab es in den althellenischen Städtennoch eine große Wohlhabenheit 1 ). Namentlich warenTheben und Korinth durch Seidenweberei berühmt 2 ).In Patras fabrizierte man reich gestickte Purpurkleider,Wollengewebe aller Art, Seidenstoffe so fein, daß man vonihnen rühmte, sie seien feiner als das Gewebe der Spinne,und Teppiche, die mit prachtvollen Gemälden geschmücktwaren 3 ).

1) Hopf, Griechenland im Mittelalter, im 85. Teil der All-gemeinen Enzyklopädie von Ersch und Gruber, S. 127.

2) Ebenda S. 156, 162.

3) Paparrigopoulo, Histoire de la civilisation hell6-nique. Paris 1878, p. 294. Die Geschenke, welche im 9. Jahr-hundert Danilis, eine reiche Matrone aus Patras , dem KaiserBasilius I. , ihrem Adoptivsöhne, machte, waren ohne Zweifel aufgriechischen Webstühlen gefertigt. Sie schenkte ihm einen ausfeiner Wolle gefertigten Teppich, dessen Muster den Schwanzeines Pfaus wiedergab, und der so groß war, daß er den ganzenBoden einer neuerbauten Kirche bedeckte. Sie gab 600 StückSeide und Leinwand zu verschiedenartigem Gebrauch. Die Seidewar mit tyrischem Purpur bemalt und gestickt. Die Leinwandwar so fein, daß ein ganzes Stück in das Innere eines Schilfrohrsgesteckt werden konnte. In seiner Beschreibung der griechischenGewerbeprodukte unterscheidet ein Geschichtsschreiber Siziliens ihren Preis je nach dem Gewicht und der Feinheit der Seide,der Dichtigkeit des Gewebes, der Schönheit der Farben und demGeschmack und Stoff der Stickerei. Ein einfacher, doppelteroder dreifacher Faden genügte für gewöhnliche Ware; wurdensechs Fäden verwebt, so war das Ergebnis ein stärkeres undkostbareres Produkt. Unter den Farben wird die feurige Prachtdes Scharlach und der sanftere Schmelz des Grün mit Beredsam-keit von ihm gepriesen. Auf dem Gewebe befand sich erhabeneStickerei in Silber und Gold; neben den einfacheren Mustern vonStreifen und Kreisen fanden sich herrlichere Nachahmungen vonBlumen. Die hergestellten Gewänder dienten dem Gebrauch bei