212 Die byzantinische Volkswirtschaft.
mänenbesitzern als freien Bauerndörfern gehörte. Eine solcheDomäne wurde mit Sklaven und rechtlich oder tatsächlichunfreien Kolonen bewirtschaftet und bildete einen von derMunizipaljurisdiktion eximierten Verwaltungsbezirk; dieseihre verwaltungsrechtliche Stellung war auch wirtschaftlichvon Bedeutung; sie wurde die Grundlage ihrer fortschrei-tenden Vergrößerung; bis dann die germanischen Völkereinbrachen und auf Grund einer Verbindung der Wirt-schaftsorganisation des Latifundiums mit den aus den ger-manischen Gefolgschaftsverhältnissen hervorgegangenen Ab-hängigkeits- und Treuverhältnissen das germanische Lehns-wesen und die mittelalterliche Grundherrschaft entstand.
Genau so war es in der oströmischen Reichshälfte;nur daß hier nicht die Neuansiedlung von Völkern erfolgte,deren führende Familien an Stelle oder neben den römischenLatifundienbesitzern zu Grundherren wurden. Zwar hat esauch im oströmischen Reich nicht an Einfällen der Bar-baren gefehlt. Goten, Hunnen, Avaren haben seit dem Endedes 4. Jahrhunderts das Reich hintereinander plündernddurchzogen und Ruinen zurückgelassen. Aber nur dieSlawen und dann die Bulgaren sind zurückgeblieben. DieSlawen, wenn sie auch in das stark entvölkerte Griechen-land vordrangen und dessen Bewohner zum großen Teilersetzt haben, wurden unterworfen und sind nicht an dieStelle von Herren vorgerückt, sondern eine den großenGrundbesitzern dienende Bevölkerung geworden. Die Bul-garen bildeten ein das byzantinische Reich, mit geringerUnterbrechung, gefährdendes selbständiges Reich. So istdurch Slawen und Bulgaren im europäischen Teil desbyzantinischen Reichs an der Wirtschaftsorganisation nichtsgeändert worden. Etwas anderes in Armenien . Auch hierGroßgrundbesitzer mit einer großen, von ihnen abhängigendienenden Bevölkerung. Aber hier war das gutsherrlich-bäuerliche Verhältnis nicht eine Rückbildung von einer vor-her bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung. InArmenien bestand eine Wirtschafts- und Gesellschaftsord-nung, die mit der feudalen in Persien viel Ähnliches hatte.Und gerade die großen armenischen feudalen Familien