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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft. 215

Czaren, Ungarn, Slawen, Angelsachsen, Normannen undAraber; später Deutsche, Italiener, Katalaner, Franzosen .

Die Tapferkeit dieser Truppen war groß. Sie be-trachteten den Krieg als einen freudigen Lebensberuf. Indesdoch nur, solange der Sold regelmäßig einging und es anBeute nicht fehlte. Ihre Treue währte nur so lange wieihre Bezahlung. Blieb diese aus, so gingen sie zum Feindeüber 1 ). Sie huldigten dem Grundsatz, daß der Krieg denKrieg nähren müsse. Gierig nach Beute und Weibern,waren sie ein Fluch für das Land, in das sie, gleichviel obfreundlich oder feindlich, kamen; jede Gelegenheit zuplündern veranlaßte sie, sich zu zerstreuen; selbst am Vor-abend einer Schlacht vermochte man nicht, sie zusammen-zuhalten, und ihre Führer hatten die größte Mühe, sie imPlündern zu mäßigen 2 ). Wohin sie kamen, wünschte mandie Barbaren zurück. Dabei zeigten sich auch die Aus-artungen des Kapitalismus . Die Berichte wimmeln von Be-trügereien, deren die Offiziere gegenüber den Soldaten sichschuldig machten: sie suchten am Sold und an ihrer Er-nährung zu profitieren, und zwar herauf bis zu Justinian 3 ).

1) Vgl. Prokopius von Caesarea, Persischer Krieg II, 7:Die römischen Söldner gehen zum Feind über, weil sie vonByzanz keinen Sold erhalten hatten. II, 17 i. f.: Die römische Be-satzung von Petra tritt in persische Dienste. Gothischer KriegUI, 1: Den Soldaten wird der Gehalt geschmälert, worauf sichkeiner mehr der Kriegsgefahr aussetzen will. III, 5 i. f.: Diemeisten der von Totilas geschlagenen Römer leisten unter ihmfür die Folge freiwillig Kriegsdienst gegen die Römer. III, 6: DasHeer der Römer, weil Justinian ihm den Sold schuldig bleibt,folgt nicht mehr seinen Führern. III, 20: Die Isaurier im Diensteder Römer verraten Rom an Totilas. III, 30: Die römische Be-satzung von Rom tötet ihren Befehlshaber, weil sie ihm den zuihrem Nachteil geführten Handel mit Getreide und anderenLebensmitteln zur Last legt, und schickt Botschaft an Justinian, daß sie, wenn er ihnen ihr Vergehen nicht verzeihen und inner-halb einer bestimmten Frist nicht die Löhnungen, soviel dieStaatskasse ihnen schuldig geblieben, auszahlen wolle, ohne Auf-schub zu Totilas und den Goten übertreten würden.

2) Vgl. Prokop., Persischer Krieg II, 25.

3) Die hl, Justinien etc., p. 156.