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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Die klassische Nationalökonomie

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Billigkeit der Produkte. Dabei führen gleichzeitigbedeutende Fortschritte in den Verkehrsmitteln, be-sonders zur See, zu einer Steigerung der Konkurrenzauf den internationalen Märkten. Das Streben, mitdem geringstmöglichen Aufwand möglichst viel zuerwerben, das von jeher das Prinzip des Handels war,wird somit zur äußersten Spannung gebracht, und indem Maße, in dem mit der Entwicklung des Welt-verkehrs eine jedwede Wirtschaft in größere odergeringere Abhängigkeit vom Handel einbezogen wird,fängt es an, sich in allen Arten von Wirtschaftengeltend zu machen.

In dem Handel selbst zeigte sich die schärfereNötigung, jede Gelegenheit zum Gewinn bestmöglichauszubeuten, naturgemäß am frühesten, Hier warendie Versuche, den einzelnen auf den Handel mit be-stimmten Waren rechtlich einzuschränken, niemalsertragen worden * 1 ). Tatsächlich freilich war es auchbei den Kaufleuten üblich, bei dem einmal ergriffenenGeschäftszweig zu bleiben. Wie die hiergegen ge-richteteten Ausführung Defoes 2 ) zeigen, war es erstdas Merkantilsystem, welches den englischen Kaufmannnötigte, der Spekulant zu werden, der mit wechselnderKonjunktur von einem Geschäftszweige zum anderenübergeht, als welchen bald darauf die klassischeNationalökonomie jedweden Arbeiter ansah.

Aber weit größere Veränderungen hatte der Um-schwung der Verhältnisse im Gewerbetriebe zur Folge.Hatte man früher beim Verkauf jedes einzelnen Stücks

*) Vgl. Anderson, Geschickte des Handels. Deutsche Über-setzung. Riga 1773. II 436ff. Siehe auch die Polemik zwischenGustav Cohn und mir im 33. und 34. Bande der Tübinger Zeit-schrift für die gesamten Staatswissenschaften.

a ) Vgl. The Complete English Tradesman. London 1762.

I 42 ff.