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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

stimmt sind. Denn der Absatz dieser Waren gingmeist in Länder, welche dieselben nicht selbst herzu-stellen verstanden; sodann waren die Grundlage ihresAbsatzes nach diesen Ländern die mehr oder minderexklusiven Privilegien, welche geldbedürftige Fürsten den Kaufleuten gegen große Abgaben verliehen l );endlich waren die Verkehrsmittel derart, daß sie dieKonkurrenz in keiner Weise erleichterten. Die Kauf-leute, die ins Ausland verkauften, waren also imstande,dort Monopolpreise zu verlangen, und diese betrugenso unverhältnismäßig viel mehr als die Herstellungs-kosten, daß es auf einen etwas größeren oder geringerenBetrag derselben nicht ankam. Es kam viel mehr aufdie Güte der Waren an als auf ihren Preis, und beiguter Ware konnte der Kaufmann eines Preises sichersein, der den heimischen Gewerbetreibenden ein be-häbiges Einkommen gestattete.

All dies wird anders in dem Maße, in dem dieallmähliche Entwicklung der wirtschaftlichen Zuständedas Merkantilsystem in der Politik der Staaten zurHerrschaft bringt.

Nun werden alle den fremden Händlern erteiltenPrivilegien beseitigt 2 ); nur in den seltensten Fällengelingt es einem mächtigen Staate, seinen Kaufleutendes weiteren solche Privilegien im Ausland zu sichern.

Nunmehr wird es das erste Sreben, alle Industrie-zweige im Inland großzuziehen und deren Produkteins Ausland auszuführen. Allein, da die schützendenVerkaufsmonopole fehlen, ist dies nur möglich bei großer

*) Vgl. z. B. die den fremden Kaufleuten von den mittel-alterlichen englischen Königen erteilten Privilegien bei RichardFab er, Die Entstehung des Agrarschutzes in England . Straßburg1883. S. 74 ff.

a ) Vgl. Georg Schanz , Englische Handelspolitik gegenEnde des Mittelalters. Leipzig 1881.